Zutrittsbeschränkung: Reisen bildet

Einserkastl18. Juli 2017, 16:25
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Der Zutritt zur Piazza San Marco in Venedig wird kontingentiert

Nicht alles war besser vor dreißig, vierzig Jahren, und wer damals jung war, dem wird in der Erinnerung ein gewisser Mief in die Nase steigen.

Aber ein Privileg hatten wir heute Älteren, und wer es jemals genossen hat, kann sich nur schwer an die aktuellen Verhältnisse gewöhnen: Wir sind damals durch die Welt gefahren und haben auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Museen, Ausstellungen einfach so besucht, spontan, meist ohne Anstellen. Und ohne dass wir Wochen vorher die Eintrittskarten für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Stunde gebucht hatten, um in einer Menschenmasse an einem Bild vorbei, durch eine Kirche oder was auch immer geschoben zu werden.

Nun wird also auch der Zutritt zur Piazza San Marco in Venedig kontingentiert – und wer zu Stoßzeiten dort war, weiß, warum. Die Besucher lassen Geld da, aber wenn sie wie die Heuschrecken einfallen, um sich – allerorten, nicht nur in Venedig – durch den touristischen Bildungskanon zu fressen, werden sie zu gemeinen Schädlingen.

Andererseits: Haben wir es heute nicht mit der gebildetsten und kultiviertesten Weltbevölkerung aller Zeiten zu tun? Die Chinesen inhalieren den Louvre, die Europäer den Taj Mahal, die Amerikaner Persepolis und die Golfaraber das Moma in New York. Die gegenseitige kulturelle Wertschätzung steigt, der Mensch wird immer offener, besser. Denn was hätte das Ganze sonst für einen Sinn? (Gudrun Harrer, 18.7.2017)

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