Microsoft-Schriftart Calibri "Kronzeuge" in Korruptionsprozess

    13. Juli 2017, 10:00
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    Schriftart erst 2007 erschienen, taucht aber in Dokumenten aus 2006 auf, die pakistanische Regierung entlasten sollen

    Pakistan erlebt momentan lebhafte Diskussionen rund um eine Schriftart. In dem als "Fontgate" bezeichneten Skandal spielt die Microsoft-Schriftart Calibri eine entscheidende Rolle. Sie soll zeigen, dass die Tochter des pakistanischen Premierministers Dokumente gefälscht hat. Nawaz Sharif geriet vergangenen April ins Visier der Ermittler, als seine Familie in den Panama Papers auftauchten, die Steuervermeidung im großen Stil enthüllten. So tauchte Sharifs Tochter Maryam in den Panama Papers auf, die soll Offshore-Firmen und Immobilien besitzen.

    Ermittler vermuten Fälschung

    Die Familie des Premierministers legte daraufhin Dokumente vor, die beweisen sollen, dass diese Besitztümer schon 2006 registriert wurden. Doch als Schriftart in diesen Dokumenten kam Calibri zum Einsatz – und diese Font wurde offiziell erst im Jänner 2007 eingeführt. Deshalb vermuten Ermittler nun, dass die Dokumente gefälscht worden sind.

    Beta-Version?

    Doch die Causa ist kompliziert: Sharif selbst behauptet, eine Windows Beta-Version benutzt zu haben, die bereits über Calibri verfügte. Tatsächlich ist die Schriftart seit 2004 abrufbar, wie ihr Designer Lucas de Groot bestätigt. Doch es sei "extrem unwahrscheinlich, dass jemand diese Font aus einer Beta-Umgebung in offiziellen Dokumenten nutzt", sagt de Groots Unternehmen LucasFonts.

    Wikipedia sperrt Änderungen

    "Fontgate" hat nun sogar dazu geführt, dass Wikipedia Änderungen auf seiner Informationsseite über Calibri gesperrt hat. Offenbar hatten sich viele Nutzer aus Pakistan auf Wikipedia über die Schriftart informiert – das nutzten wohl auch Unterstützer von Sharif, die dort das Erscheinungsdatum von Calibri manipulieren wollten. (red, 13.7.2017)

    • Maryam Sharif ist dank "Panama Papers" und "Colibri" in der Bredouille
      foto: apa/afp/qureshi

      Maryam Sharif ist dank "Panama Papers" und "Colibri" in der Bredouille

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