"Injustice 2" im Test: Superhelden-Schlägerei in Perfektion

    Rezension16. Juli 2017, 11:00
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    Ein Kampfspektakel mit durchdachten Innovationen und gelungener Story

    Für Liebhaber von Beat'em'ups gab es es heuer nicht nur ein Wiedersehen mit den Kämpfern der "Tekken"-Serie, sondern auch ein Comeback der prügelfreudigen DC-Superhelden. Und nach fast einhundert Stunden des friedfertigen Pixelschädeleingeschlagens können wir mit Zuversicht sagen: "Injustice 2" bietet diesen eingefleischten Fans genau das, was ein Kampfspiel im Jahre 2017 können muss. Entwickler NetherRealm Studios hat einen mehr als würdigen Nachfolger des Beat ‘em ups "Injustice: Gods Among Us" herausgebracht.

    Studio hört auf Feedback der Fans

    Der Roster des Prügelspiels besteht Großteils aus bekannten Superhelden und –schurken des DC-Universums. Fanlieblinge wie Red Hood (Zusatzinhalt), Darkseid (Zusatzinhalt), Deadshot oder Dr. Fate feiern ihr Debüt. Besonders lobenswert ist, dass NetherRealm auf seine Fans gehört hat: Dem Mainstream unbekanntere Namen, wie zum Beispiel Cheetah, Atrocitus, Swamp Thing oder Blue Beetle schaffen es genauso ins Spiel wie ein Batman oder Superman.

    Jeder Charakter besitzt vier Werte: Stärke, Fähigkeiten, Verteidigung und Gesundheit. Diese rangieren anfangs zwischen 900 und 1250, angepasst an die Figurvorlage. Diese Daten verbessern sich pro Levelaufstieg, wobei das Limit bei Stufe 20 liegt. Mit Ausrüstungsteilen können die einzelnen Werte ebenfalls gesteigert werden. Zusammen mit den einzigartigen Move-Sets lässt sich dadurch jeder Charakter unterschiedlich spielen. So entsteht der Reiz, alle Fighter zumindest einmal auszuprobieren, bevor sich die Lieblinge herauskristallisieren. Ein Hardcore-Batman-Fan findet sich so vielleicht in den Stiefeln von Wonder Woman wieder.

    Die 28 Basisspielcharaktere und zehn Zusatzkämpfer (müssen nachträglich gekauft werden) können von zwölf wählbaren Arenen gegeneinander antreten. Darunter sind zum Beispiel die Nervenheilanstalt von Arkham, eine Bar in Metropolis oder die Bat-Höhle. Die Darstellung der Kulissen ist lebendig und detailliert. Bis auf Unterschiede in Umgebungsinteraktionen wird mit der Zeit jedoch belanglos, welcher der Schauplätze gewählt wird.

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    Die innovative Kampagne

    Bei einem Prügelspiel ist eine Kampagne in den meisten Fällen ein halbgarer Zusatz, falls sich die Entwickler überhaupt noch für eine entscheiden. Nether Realm Studios bricht, ähnlich wie beim ersten Teil bzw. bei der "Mortal Kombat"-Reihe, mit dieser Unart.

    Der Story-Modus ist ein gelungenes, atmosphärisches Superheldenepos mit Plottwists und interessanten Charakterentwicklungen. Die Geschichte setzt direkt nach dem ersten Teil ein und zeigt ein dunkles, dystopisches Universum. Fünf Jahre nach Supermans Regime versucht Batman zusammen mit Black Canary, Green Arrow und Harley Quinn gegen Schurken wie Gorilla Grodd und Brainiac vorzugehen. Dabei entsteht ein durchaus überzeugendes Actionspektakel mit fordernden Kämpfen und gelungener Story. Das Ende für jeden Charakter ist je nach getroffenen Entscheidungen, variabel.

    Der Multiversum-Modus mit seinen Herausforderungen

    Die größte Besonderheit von "Injustice 2" ist das Multiversum. Hier werden alternative Universen in Form von Planeten dargestellt. Jeder Planet hat ein Zeitlimit, in dem die Alternativversionen der Spielcharaktere besiegt werden müssen. Diese haben beispielsweise eine erhöhte Geschwindigkeit bzw. Resistenz. In ein bis mehreren Mini-Turnieren pro Planet muss jeweils eine Fighter-Reihe nacheinander geschlagen werden. Die Multiversen werden regelmäßig aus dem System genommen und neue hinzugefügt. So bleibt der Reiz ständig aufrecht, die einzelnen Herausforderungen zu meistern. Da die Hauptbelohnungen pro Gegner-Reihe jeweils vor dem Kampf ersichtlich sind, können Spieler sich selektiv in ein alternatives Universum stürzen.

    Gear-System für Lootbegeisterte

    Das Gear-System ist ein weiterer Aspekt des Spiels, das die Langzeitmotivation am Leben hält: Am Ende eines Multiversums gibt es Belohnungen, die je nach Schwierigkeitsgrad der Kämpfe wertvoller sind. Diese sind Ausrüstungsteile für bestimmte Charaktere, die optisch aufwerten und die Kampfwerte der Helden bzw. Schurken steigern. Gear-Teile können allerdings auch in normalen Kämpfen gewonnen werden. Die selteneren Ausrüstungen gibt es dafür eher im Multiversum-Modus. Belohnungen sind in vielen Fällen auch Kisten, in denen zufällige Gear-Teile stecken.

    Außergewöhnlicher Sound und moderne Grafik

    Audio-visuell holt "Injustice 2" einiges aus den Konsolen heraus: Die Licht- und Schatteneffekte verleihen dem düsteren Kampfspektakel eine stimmige Atmosphäre. Die Charaktermodelle sind detailliert und stilistisch passend zum DC-Universum gestaltet. Die Animationen sind bei einer konstanten Bildrate von 60fps ebenso ansprechend wie flüssig – was nicht zuletzt in Multiplayer-Duellen entscheidend ist. Die Soundeffekte untermauern die Schlägerreien treffend und der Soundtrack lässt schon fast ein cineastisches Feeling im Superhelden-Zirkus aufkommen.

    Fazit

    Was "Injustice 2" zu einem der besten Prügelspiele macht, ist die Detailarbeit. Die Auswahl an Kämpfern ist ein Fest für jeden Genreliebhaber und bietet auch für den Mainstream genug Diversität. Besonders Lobenswert ist hier, dass die Wünsche der Fans miteinbezogen wurden. Die Kampagne ist mehr als nur eine Klischee-Superhelden-Story. Mit Innovationen wie dem Multiversum oder dem Gear-System werden Spieler auch für längere Zeit bedient. Bei der Präsentation zeigt sich das Kampfspektakel von seiner besten Seite und legt die Messlatte für das Genre ungewöhnlich hoch. "Injustice 2" bietet auch damit den Feinschliff und den Tiefgang, den sich Freunde von Beat'em'ups erwarten dürfen. (Egemen Karaaslan, 16.7.2017)

    "Injustice 2" ist ab 16 Jahren für PlayStation 4 und Xbox One erschienen. UVP: 59,99 Euro.

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      bild: injustice 2
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      foto: nether realm studios | warner bros. interactive entertainment
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