Gebühren für Auslandstelefonie: Paradox und unsinnig

Kommentar26. Juni 2017, 17:38
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Die Telefoniebranche will vermeiden, dass das EU-Parlament noch mehr Einnahmequellen schließt

Die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding hat recht, wenn sie von einer "absurden Situation" spricht: Dass Anrufe in ein anderes EU-Land günstiger werden, wenn man ins EU-Ausland fährt, ist unsinnig. Wieso soll man für Anrufe nach Berlin von einem österreichischen Handy aus Wien mehr zahlen als aus Prag?

Verantwortlich dafür ist der Schutz vor Roaminggebühren, der im EU-Ausland greift. Auslandstelefonie, also Gespräche vom Inland ins EU-Ausland, wurde bisher hingegen links liegengelassen. Es war ein Fehler, diese beiden Themen nicht gemeinsam zu behandeln. Die jetzige Situation ist paradox, das Versprechen eines gemeinsamen digitalen Binnenmarkts nur halb erfüllt.

Eigentlich sollte die Drosselung der Gebühren für Auslandsgespräche eine Formalie sein. Die durchschnittlichen Kosten von einem Euro pro Minute lassen sich technisch nicht begründen. Außerdem greifen die meisten Nutzer wegen der hohen Kosten regulärer Telefonie ohnehin auf Dienste wie Whatsapp zurück. Die Einnahmen der Mobilfunker in diesem Bereich dürften also Peanuts sein.

Die Branche dürfte sich aber dennoch querstellen, da sie vermeiden will, dass das EU-Parlament nach dem Aus für Roaminggebühren und einem Votum für starke Netzneutralität noch mehr Einnahmequellen schließt. Der oft gehörte Vorwurf, dass sich "die EU" primär um die Interessen der Wirtschaft kümmert, stimmt hier also keineswegs. (Fabian Schmid, 26.6.2017)

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