Wie gut, dass Ziegen gerne klettern und spucken

29. Mai 2017, 08:00
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Forscher stoßen auf eine Variante von Samenverbreitung, die man bislang noch nicht kannte

foto: h garrido/ebd-csic

Washington – Betrachtet man obiges Bild, muss man sich erst wieder in Erinnerung rufen, dass Ziegen Huftiere sind – und dass Hufe eigentlich eine evolutionäre Anpassung an leichteres Laufen auf halbwegs geradem Untergrund waren. Davon haben Ziegen offenbar noch nie etwas gehört: Sie erklimmen Dächer genauso leicht wie Felswände oder Bäume.

In Marokko beispielsweise, wo dieses Foto aufgenommen wurde, klettern sie gerne auf zehn Meter hohe Arganbäume, um selbst vom Wipfel noch Früchte zu naschen. In der kargen herbstlichen Jahreszeit findet ihre Futtersuche zu drei Vierteln oben auf den Bäumen statt. Hirten helfen den Kitzen dabei, das Klettern schon früh zu erlernen.

Klettern, Kauen, Spucken

Forscher der Ecological Society of America haben sich diese Tiere nun genauer angeschaut und sind dabei auf einen ökologischen Mechanismus gestoßen, den man bisher noch gar nicht kannte: Die Ziegen verbreiten die Samen der Bäume – und zwar durch Spucken, wie die Forscher um Miguel Delibes im Fachjournal "Frontiers in Ecology and the Environment" berichten.

Pflanzenfresser sind oft die Partner ihrer "Beute". Sie fressen Früchte und scheiden die darin enthaltenen Samen irgendwann wieder aus, wodurch sie sie in großem Radius verbreiten können. Normalerweise läuft das allerdings über das Verdauungssystem. Endochorie nennt sich dieser Vorgang: Samen werden mit dem Kot ausgeschieden, der praktischerweise gleich als Dünger für den neuen Keimling dient.

Gut für den Baum

Die marokkanischen Ziegen nehmen allerdings eine Abkürzung. Sie verschmähen offenbar die mandelgroßen, hartschaligen Kerne der Arganfrüchte und spucken sie beim Wiederkäuen aus wie ein Mensch einen Kirschkern. Das Wiederkäuen findet in räumlicher und zeitlicher Entfernung zur Baumkletterei statt, also erfüllt auch diese Methode für den Baum ihren Zweck.

Delibes und seine Kollegen vermuten, dass diese bisher übersehene Variante der Endochorie auch bei anderen fruchtfressenden Spezies verbreitet sein dürften – und dass sich manche Pflanzenarten sogar eigens darauf eingestellt haben könnten. (red, 29. 5. 2017)

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