Inlandsstrom reichte im kalten Winter nicht aus

9. März 2017, 13:55
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Strom und Gas sind günstiger geworden. Allerdings dürfte ein höherer Verbrauch den Kostenvorteil für die Konsumenten auffressen

Wien – Strom und Gas sind für Österreichs Konsumenten günstiger geworden. Die Stromkosten (Energie, Netzkosten, Steuern und Abgaben) waren im Jänner laut Berechnungen der E-Control für einen österreichischen Durchschnittshaushalt rund 3,6 Prozent geringer als vor einem Jahr. Auch die Gaskosten reduzierten sich in dieser Betrachtung um drei Prozent. Im Durchschnitt lagen die Kosten für einen Haushalt demnach 60 Euro unter jenen im vergangenen Jahr.

Allerdings: Aufgrund der Kälte wird der Preisvorteil wohl durch gestiegenen Verbrauch wieder aufgefressen, sagte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer bei der Präsentation des Jahresberichtes am Donnerstag. So mancher werde also trotz gesunkener Preise mit einer Nachzahlung rechnen müssen.

Kalter Winter machte zu schaffen

Der kalte Winter trieb laut Eigenbauer auch die Versorgungssicherheit in Europa an ihre Grenzen. Die Kältewelle habe gezeigt, dass die Inlandsstromerzeugung allein Österreichs Stromversorgung nicht sichern könne, sondern dass diese von Stromimporten abhänge. Für zwei Wochen musste der Übertragungsnetzbetreiber APG heuer die Warnstufe Gelb ausrufen – denn die erneuerbare Energie lieferte im Winter zu wenig Elektrizität. Warnstufe Gelb bedeutet laut E-Control intensiveres Monitoring. Von Warnstufe Rot (was Energielenkungsmaßnahmen bedeuten würde) sei man allerdings noch entfernt gewesen.

"Versorgungssicherheit ist dann gegeben, wenn man sich auf die Importe verlassen kann. Aus eigener Kraft geht es jetzt schon nicht mehr", sagt Eigenbauer. Diesen Winter habe es eine deutlich höhere Last als erwartet gegeben. Zugleich sei aber ein Großteil der Anlagen auf Basis erneuerbarer Energie wie Laufwasser, Pumpspeicher und Wind kaum verfügbar gewesen. Von 25.000 MW installierter Leistung seien nur rund 4.000 MW an erneuerbarer Energie übriggeblieben – und die bisher höchste Lastspitze von 11.000 MW habe man durch kalorische Kraftwerke und Importe aus Deutschland abgedeckt.

Die geplante Abschaltung heimischer kalorischer Kraftwerke von Mellach bis Dürnrohr hält Eigenbauer dementsprechend momentan für keine gute Idee: "Ich glaube, wir können derzeit überhaupt kein Kraftwerk stilllegen."

Bereitschaft zu Anbieterwechsel steigt

Was die Konsumenten betrifft, steigt die Bereitschaft, den Energieversorger zu wechseln, weiter, zeigt die Rückschau der E-Control. Im vergangenen Jahr haben in Österreich 286.000 Kunden ihren Strom- oder Gaslieferanten gewechselt, ein Plus von 44 Prozent im Vergleich zum Jahr davor, sagt Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Die höhere Mobilität führt Urbantschitsch auf die potenziellen Ersparnisse bei einem Anbieterwechsel zurück. Den günstigeren Preis nannten bei einer im Februar von Peter Hajek durchgeführten Umfrage 80 Prozent als Hauptgrund für einen Wechsel. Nur neun Prozent nannten einen sauberen Strommix (also Ökostrom beziehungsweise kein Atomstrom) als Grund.

Im vergangenen Jahr hat die Schlichtungsstelle der E-Control 608 Schlichtungsverfahren abgewickelt und 792 schriftliche Anfragen beantwortet. Auch die Hotline wurde mit einem Anstieg um rund elf Prozent im Vergleich zum Jahr davor häufiger genutzt. Die meisten Beschwerden und Anfragen gab es laut Urbantschitsch in Sachen Verbrauchsermittlung im Zusammenhang mit den Teilbetragsvorschreibungen beim Wechsel und Nachverrechnungen. Geht es nach der E-Control, soll die Rechnung für Kunden künftig einfacher werden – unter anderem durch eine Vereinfachung der Netztarife, was für 2018 angestrebt wird. (rebu, 9.3.2017)

  • Das Kraftwerk in Aschach an der Donau in Oberösterreich.
    foto: apa/rubra

    Das Kraftwerk in Aschach an der Donau in Oberösterreich.

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