Spenderorgane könnten bald langfristig gelagert werden

    1. März 2017, 20:03
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    In den USA werden etwa 60 Prozent der Spenderherzen und –lungen weggeworfen, weil sie nicht rechtzeitig zum Empfänger kommen. Ein Tiefkühl-Verfahren soll das nun ändern

    US-Forscher haben einen möglichen Ansatz zur längeren Aufbewahrung von Spenderorganen entwickelt. Im Labor gelang es ihnen, tierische Gewebeteile mit einem besonderen Verfahren schonend tiefzukühlen und dann mittels magnetischer Nanopartikel in einem Induktionsfeld ebenso schonend und blitzschnell wieder zu erwärmen.

    Dies könnte die Möglichkeit eröffnen, Gewebe und Organe irgendwann langfristig zu lagern, schreibt das Team um Navid Manuchehrabadi von der University of Minnesota im Fachjournal "Science Tranlational Medicine". Bisher müssen Spenderorgane oft binnen Stunden verpflanzt werden, weil sie sonst nicht mehr funktionsfähig sind. Bis das neue System einsatzfähig ist, dürfte es aber nach Ansicht eines deutschen Experten noch Jahrzehnte dauern.

    Die superschnelle Kühlung namens Vitrifizierung (Verglasung) ist schon seit einiger Zeit möglich. Den Zellen wird dabei Wasser entzogen und durch ein Kälteschutzmittel ersetzt. Das soll verhindern, dass sich beim Einfrieren Eiskristalle bilden, die das Gewebe schädigen. Das Verfahren kommt auch beim Einfrieren von Eizellen zum Einsatz.

    Probleme beim Auftauen

    Das Problem bei Organen ist bisher vielmehr der Prozess des Auftauens. Es muss schnell und gleichmäßig geschehen, damit das Gewebe keinen Schaden nimmt und funktionsfähig bleibt. Bisher gelang das nur im sehr kleinem Maßstab.

    Nun konnten die Forscher einen Erfolg verbuchen, indem sie vor dem Einfrieren Nanopartikel aus Eisenoxid zusammen mit dem Kälteschutzmittel in das Gewebe einbrachten. Sie konnten die Partikel mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen gleichmäßig und schnell erwärmen. Das Gewebe konnte dadurch in einer Minute um 100 bis 200 Grad erwärmt werden. Das sei zehn bis 100 Mal schneller als bei früheren Methoden, schreiben die Forscher.

    In den ein bis 50 Millimeter umfassenden biologischen Proben – darunter Haut-Bindegewebszellen, Stücke einer Arterie und einer Herzklappe vom Schwein – zeigten sich bei einer anschließenden Untersuchung keine Veränderungen der Gewebe. Die Nanopartikel ließen sich später ohne Rückstände auswaschen, berichten die Forscher.

    "Jetzt muss das Ganze aber auch auf einer höheren Ebene gelingen", betonte Mitautor John Bischof in einer Telefonkonferenz. Größere, menschliche Organe erforderten auch angepasste Lösungen, um sie unversehrt tiefzukühlen und auch die Kälteschutzflüssigkeit mit den Eisenoxid-Partikeln ausreichend zu verteilen.

    60 Prozent Organe weggeworfen

    Sieben bis zehn Jahre, so schätzt Koautor Kelvin Brockbanck, werde es dauern, bis diese Probleme gelöst und Organbanken denkbar seien. Derzeit können Herzen und Lungen etwa vier Stunden, Leber und Bauchspeicheldrüse bis zu zwölf Stunden und Nieren bis zu 36 Stunden gelagert werden. In den USA werden laut Studie 60 Prozent der Spenderherzen und -lungen weggeworfen, weil sie nicht rechtzeitig an einen Empfänger gelangen können.

    Die US-Forscher halten es auch für möglich, die induktive Erhitzung in der Krebsmedizin anzuwenden. Voraussetzung: Die Nanopartikel müssten gezielt in Tumorzellen eingebracht werden. Die Krebszellen könnten so zerstört werden. Ähnliche Verfahren werden bereits erprobt – vor Jahren machte Charite-Forscher Andreas Jordan einen solchen Ansatz im Kampf gegen Hirntumore bekannt. Besonders verbreitet ist die punktuelle Hyperthermie mit Nanopartikeln aber nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums noch nicht. (APA, 1.3.2017)

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