Neuer Wirbel um Dortmund-Sorgenkind Mario Götze

28. Februar 2017, 13:34
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Das Bekanntwerden einer Stoffwechselerkrankung rückt jegliche sportliche Kritik am BVB-Spieler in ein neues Licht

Dortmund – Deutschlands Mario Götze kämpft nicht mehr um seinen angekratzten sportlichen Ruf, sondern um seine Gesundheit. Eine schnelle Genesung ist jedoch nicht zu erwarten. "Das wird keine kurzzeitige Angelegenheit", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Dienstag. Der Fußball-Weltmeister wird Zeit brauchen, um mit seiner Stoffwechselstörung fertig zu werden.

Götzes Erkrankung rückt alle – berechtigte – sportliche Kritik der vergangenen Monate in ein neues Licht. Weil da aber nicht ein x-beliebiger Mann leidet, sondern Mario Götze, der stets Umstrittene, der ewige WM-Held, ist es mit der Mitteilung des BVB vom Montag nicht getan. Es schlägt die Stunde der Ferndiagnosen und Spekulationen.

Breites Spektrum an Möglichkeiten

In einer ersten Welle versuchten sich der Leiter des Adipositas-Zentrums NRW und ein Diplom-Sportwissenschaftler daran, die vom BVB nicht exakt benannte Krankheit einzuordnen. Mit naturgemäß wenig Erkenntnisgewinn, da das Spektrum der Möglichkeiten enorm breit ist. Die Borussia verbittet sich Fern-Analysen eindringlich: "Wir wünschen uns im Wissen um das besondere Interesse an Mario Götze, dass die Privatsphäre dieses jungen Menschen respektiert und geachtet wird", sagte Pressesprecher Sascha Fligge dem deutschen Sportinformationsdienst SID.

Es wird möglicherweise beim Wunsch bleiben, da eine Einordnung ohne exakte Diagnose sehr schwierig ist. Erklärt die Erkrankung die unbefriedigenden Leistungen teilweise? In Gänze? Hat Mario Götze gar Sensationelles geleistet angesichts der unbekannten Schwächung? Diese Fragen bleiben offen.

Zu beobachten ist, dass viele Kritiker verständlicherweise mit flauem Gefühl auf ihre Aussagen der vergangenen Wochen schauen. Lothar Matthäus zum Beispiel hatte Götze nahegelegt, doch gleich nach China zu wechseln, sollte es beim BVB nicht klappen. Nun ließ er verlauten: "Das Gute ist, dass man jetzt die Ursache kennt und sie behandeln kann. Vor diesem Hintergrund muss man seine Leistung natürlich anders bewerten als ohne dieses Wissen."

Mario Götzes Leidensgeschichte jedenfalls nimmt vorerst kein Ende. Er schien schwer am Stein des "WM-Helden von 2014" zu tragen, er kam bei Bayern München nicht zurecht und klagte nach seiner turbulenten Rückkehr zum BVB ständig über Muskelverletzungen. Diese sollen Michael Zorc zufolge mit der Diagnose erklärt sein: "Wir sind froh, dass wir nun die Gründe für Marios Beschwerden kennen", sagte der Sportdirektor des BVB.

Für die Führungsriege der Dortmunder dürfte die Diagnose ebenfalls eine gewisse Erleichterung sein. Die Fragen nach den Leistungen des 25 Millionen Euro teuren Götze waren drängender und drängender geworden. Mehrfach sah sich Watzke gezwungen, seinem Spieler beizustehen. "Einige werden noch Abbitte leisten müssen", sagte er kürzlich – auch noch im Unwissen über die Krankheit.

Wenige Einsätze

In einer Mannschaft der leichtfüßigen Supertechniker wie Pierre-Emerick Aubameyang, Ousmane Dembélé oder Marco Reus hatte der einst mit Lionel Messi verglichene Götze oft schwerfällig und blass ausgesehen. Der 24-Jährige absolvierte nur elf von 22 Bundesligaspielen, vier davon über die komplette Spielzeit. Zuletzt spielte er vor Weihnachten ein Bundesliga-Spiel durch.

Von Götze selbst gibt es weiterhin nur den einen Satz: "Ich befinde mich gerade in Behandlung und setze alles daran, so schnell wie möglich wieder ins Training einsteigen und meiner Mannschaft dabei helfen zu können, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen." (sid, 28.2.2017)

  • Mario Götze leidet an einer Stoffwechselstörung. Experten versuchen nun, diese genauer einzuordnen.
    foto: apa/afp/patrik stollarz

    Mario Götze leidet an einer Stoffwechselstörung. Experten versuchen nun, diese genauer einzuordnen.

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