Fischstäbchen und Co: Ungarn und Slowakei sehen EU am Zug

27. Februar 2017, 13:46
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Minister: Multis wollen Ungarn "Lebensmittelmüll" verkaufen – EU-Kommission soll rechtliche Grundlagen für einheitliche Qualität schaffen

Budapest – Den Streit um Qualitätsunterschiede zwischen in West- und Osteuropa verkauften Lebensmitteln wollen Ungarn und die Slowakei nun auf EU-Ebene heben. Das ungarische Landwirtschaftsministerium will, dass auf der Sitzung des Agrar- und Fischereirats am 6. März die rechtlichen Voraussetzungen für eine Abschaffung des "zweifachen Maßes" geschaffen werden.

Die EU-Kommission müsse eine rechtliche Lösung dafür finden, dass alle EU-Bürger die gleichen Produkte eines Herstellers in der gleichen Qualität bekommen, erklärte das ungarische Landwirtschaftsministerium am Montag.

Keine Rechtsgrundlage für Vorgehen in EU

Das Thema müsse auf EU-Ebene geklärt werden, so das Ministerium. Bisher gebe es in der EU nämlich keine Rechtsgrundlage, um wegen Qualitätsunterschieden bei Lebensmitteln gegen Großunternehmen vorzugehen. Die ungarische Regierung begrüßt auch die Initiative der Slowakei, auf deren Veranlassung sich die Visegrád-Länder Ungarn, Slowakei, Tschechien und Polen schon bald bei einem Treffen mit der Frage befassen werden.

Im Hintergrund der Initiative steht die Kritik an Lebensmittelproduzenten, sie würden den Konsumenten in Osteuropa Markenprodukte mit erheblichen Qualitätsunterschieden gegenüber den gleichen Produkten im Westen verkaufen.

Multis aus dem Land werfen

Auch Ungarn wolle nicht länger zusehen, wie multinationale Konzerne versuchen, den Ungarn "Lebensmittelmüll" zu verkaufen, hatte der Leiter der Staatskanzlei, János Lázár, nach der Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts der ungarischen Lebensmittelaufsicht kritisiert und vom größten Skandal der letzten Zeit gesprochen.

Lázár hatte bereits 2016 erklärt, dass man diese "Multis am besten aus dem Land werfen sollte", erinnert die Internetzeitung "Pester Lloyd". Ungarn brauche diese Handelsketten nicht, damit sie "den ganzen europäischen Müll ins Land holen", den man anderswo nicht loswerde.

Hersteller: Lokale Traditionen als Grund

Die ungarische Lebensmittelbehörde hatte 24 Produkte aus ungarischen und österreichischen Geschäften verglichen und Unterschiede beim Geruch und der Zusammensetzung gefunden. Der Landliebe-Milchreis sei in Österreich "cremiger", die Ritter-Sport-Marzipanschokolade "zarter", Nutella "schokoladiger" als in Ungarn, die Knorr-Nudelsuppe aus dem Packerl enthalte doppelt so viele Fleischbällchen, und die Manner-Schnitten seien "knuspriger".

Iglo gab zuletzt bekannt, dass in Fischstäbchen in Österreich 65 Prozent Fisch sei, in der Slowakei nur 58 Prozent.

Der ungarische Markenverband bezeichnet den Bericht der Behörde als subjektiv. Die Unterschiede könnten wegen unterschiedlicher Lagerung, abweichender Verbrauchersitten oder durch die Verfallsdaten entstehen, hieß es. Die Hersteller wiederum beriefen sich auf lokale Traditionen und Geschmäcker. (APA, 27.2.2017)

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