Ikea möbelt Matratzenmarkt auf

27. Februar 2017, 14:12
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Schaumstoff und Latex sind out: Bis auf die Federkernmatratze rutschen alle Produktgruppen ab. Zu den Gewinnern gehört Ikea

Wien – Kaum etwas scheint ermüdender, als eine neue Matratze zu kaufen. Alle beige, eckig und alles andere als sexy. Dennoch tut sich etwas in der Branche. Der Trend zu Polsterbetten, speziell Boxspring, setzte in den letzten Jahren den Markt für Matratzen und Lattenroste zunehmend unter Druck. Begünstigt von einer steigenden Nachfrage nach Betten konnten die Erlöse im vergangenen Jahr insgesamt jedoch stabilisiert werden. Der Herstellerumsatz stagnierte mehr oder weniger bei 117,1 Millionen Euro (116,8 Millionen im Jahr 2015) und schaffte damit 2016 quasi eine schwarze Null, so Kreutzer, Fischer & Partner in einer Aussendung zum aktuellen Branchenradar.

2016 wurden in Österreich knapp 103.000 Polsterbetten (plus zwei Prozent) verkauft. In diese Gruppe fällt auch das Boxspringbett, das mit 36.000 verkauften Stück um satte 16 Prozent zulegen konnte. Boxspringbetten kommen ursprünglich aus den USA und entwickeln sich seit einigen Jahren auch am heimischen Markt zum Trend. Man versteht darunter ein Schlafsystem, das aus einem stabilen Rahmen und einer oder mehreren Lagen Sprungfedern besteht. Darauf liegt die Matratze.

Gewinner und Verlierer

Weniger weich gefallen sind Schaumstoffmatratzen (minus fünf Prozent), Latexprodukte (minus sieben) und solche mit natürlichem Füllkern (minus neun). Die dadurch entstandene Lücke wurde laut Branchenradar zur Gänze von Federkernmatratzen gefüllt.

"Die letzten 20, 25 Jahre wurde immer wieder an Matratzeninnovationen getüftelt, um letztendlich wieder zur guten alten Federkernmatratze zurückzukommen", sagt Geschäftsführer Andreas Kreutzer zum STANDARD. Trotzdem bleibe die Lage für einige Produzenten prekär und führe auf Anbieterebene zu einer stark differenzierten Entwicklung mit substanziellen Zuwächsen auf der einen Seite und Einbußen auf der anderen.

Emotionale Schiene

Zu den Gewinnern bei Matratzen und Lattenrosten zählt im Berichtsjahr zweifelsohne Ikea. Andere etablierte Anbieter wie Elastica und Breckle haben das Nachsehen. Der Erfolg des schwedischen Möbelhauses liegt aber nicht nur am Preis. Der Matratzenkauf gehört nicht gerade zu den emotionalsten Erlebnissen. Ikea habe es als einzige Möbelmarke geschafft, das Zuhause generell stark zu thematisieren und Matratzen im Speziellen mit Wohlfühlstimmung zu besetzen – eine Strategie, die andere Möbelhäuser völlig außer Acht ließen. Einrichtungshäuser wie Möbel Lutz setzen zwar auch auf die "Familienschiene", lassen aber Werbung für Matratzen an sich beiseite. Die Hersteller höherpreisiger Matratzen werden da wohl ihre Strategie ändern müssen, wenn sie nicht aus dem Markt gedrängt werden wollen, meint Kreutzer.

Beim Einkauf ist der Onlinehandel kein relevanter Faktor: Die Menschen wohlen immer noch probeliegen und -sitzen. Zwei Drittel der Matratzen und Lattenroste werden über den klassischen Möbelhandel erworben, je 15 Prozent über Diskonter und Fachgeschäfte. Der dünne Rest sind Internet- und Haustürgeschäfte.

Ein Riesenpotenzial liegt aber laut Kreutzer nach wie vor brach: "Die Österreicher tauschen Betten ähnlich oft beziehungsweise so selten aus wie Küchen, nämlich vorzugsweise bei einem Wohnungsumzug. Da gibt es genug Luft nach unten." Ein Ansatz könnte sein, das Thema Matratzentausch offensiv medial zu diskutieren. Immerhin liegt die durchschnittliche Benutzungsdauer einer Matratze bei 15 Jahren, wünschenswert wären zehn. (ch, 27.2.2017)

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    Durchschnittlich legt sich jeder Österreicher alle 15 Jahre eine neue Matratze zu.

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