Putzkräfte in Autobahn-Toiletten ausgebeutet: Zwei Männer verurteilt

24. Februar 2017, 15:58
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Unternehmen mit Sitz in Nürnberg hat auch in Österreich Arbeitskräfte bereitgestellt – 175.000 Euro an Sozialabgaben nicht gezahlt

Nürnberg – Das Landgericht in Nürnberg hat am Freitag zwei Männer wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt verurteilt. Sie ließen Hartz-IV-Empfänger als Putzkräfte in Autobahn-Toiletten in Deutschland und Österreich arbeiten und zahlten ihnen dafür nur einen Hungerlohn. Die Männer erhielten jeweils Bewährungsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten.

In 65 Fällen hatten die Männer insgesamt rund 175.000 Euro an Sozialabgaben zu Unrecht nicht an den Staat abgeführt. Zunächst war die Anklage von einer deutlich höheren Schadenssumme ausgegangen. Durch ihre umfangreichen Geständnisse hätten die Männer einen "Mammutprozess" verhindert, sagte der Richter. Der Prozess hatte im Oktober begonnen.

Übermäßig lange Arbeitstage

Die Männer sollen zwischen 2005 und 2009 ihre Mitarbeiter, die alle aus Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammten, zu übermäßig langen Arbeitstagen verpflichtet haben. Dafür bekamen die Beschäftigten laut Anklage aber nur Monatslöhne zwischen 160 und 200 Euro. Die Angeklagten hätten ihre Mitarbeiter nur für die Zeit bezahlt, in der sie auch tatsächlich putzten. Sie hätten sie aber genauso für die Zeit bezahlen müssen, in der die Beschäftigten in den Raststätten in Bereitschaft waren.

Über ihr Unternehmen mit Sitz in Nürnberg sollen die Männer solche Arbeitskräfte auch für zahlreiche Tankstellen und Raststellen in Österreich bereitgestellt haben. Nach Angaben von Friedrich Weitner, Pressesprecher des Landgerichts Nürnberg, handelte es sich um Anlagen an Autobahnen und Schnellstraßen in Ober- und Niederösterreich, im Burgenland, der Steiermark, Kärnten und Tirol. (APA, 24.2.2017)

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