Massenansturm in Ceuta: Marokkos Strategie gegen die EU

21. Februar 2017, 16:56
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Rabat soll Migranten aus Protest gegen EuGH-Urteil zur Westsahara durchgelassen haben

Ceuta/Madrid – Marokko macht Druck auf die Europäische Union (EU). Wie das aussieht, war in den vergangenen Tagen in Ceuta zu sehen. Bei zwei Massenanstürmen kamen insgesamt mehr als 800 afrikanische Flüchtlinge in die spanische Garnisonsstadt. Ceuta ist wie Melilla eine spanische Exklave an der nordafrikanischen Mittelmeerküste.

498 Immigranten überwanden den sieben Meter hohen Grenzzaun in der Nacht auf den 17. Februar. Sie öffneten mit brachialer Gewalt eine Tür im Zaun auf marokkanischer Seite, gelangten so in den Zwischenraum und von dort durch eine zweite Tür nach Spanien. Nur drei Tage später gelangten an gleicher Stelle weitere 356 Flüchtlinge auf spanisches Gebiet. Von spanischer Seite heißt es, der Abschnitt sei nur schlecht einsehbar und deshalb von den Flüchtlingen gewählt worden.

Die spanische und marokkanische Presse hat eine ganz andere Erklärung: Die Grenzsoldaten auf marokkanischer Seite würden großzügig wegschauen. Nur so sei es möglich gewesen, die Türen zu zerstören. "Erinnern wir uns, dass der Ansturm nur zehn Tage nach den Erklärungen von Aziz Akhannouch gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE stattfand", schreibt das marokkanische Nachrichtenportal Le 360, dem gute Beziehungen zum Königshaus nachgesagt werden.

In jenem Interview beschwerte sich der marokkanische Landwirtschafts- und Fischfangminister über ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), laut dem Landwirtschaftsprodukte aus der von Marokko besetzten ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara nicht unter das Freihandelsabkommen Marokkos mit der EU aus dem Jahr 2012 fallen. Die Befreiungsbewegung für die Westsahara, Polisario, hatte geklagt. Zwar setzten die Richter in Luxemburg das Abkommen nicht außer Kraft, wie von Polisario verlangt, definierten aber das Staatsgebiet Marokkos ausdrücklich ohne die besetzte Westsahara. Ein schwerer Schlag für König Mohammed VI., der die besetzten Gebiete als "Südprovinzen" seines Reichs sieht.

Klare Botschaft für die EU

"Warum sollen wir weiter Polizei spielen? Wieso sollen wir die afrikanische Migration durch Marokko blockieren, wenn Europa nicht mit uns zusammenarbeiten will?", fragte Akhannouch, der als enger Vertrauter des Königs gilt. Die Botschaft in Richtung EU ist eindeutig: In den Wäldern rund um Ceuta und Melilla warten Tausende auf ihre Chance, die Grenzzäune zu überwinden.

Die spanische Onlinezeitung "El Español", die von einem der bekanntesten spanischen Journalisten, Pedro J. Ramirez, herausgegeben wird, geht noch einen Schritt weiter. Ihre Reporter vor Ort wollen von den Immigranten erfahren haben, dass auch die spanischen Grenzsoldaten so gut wie untätig bei den Massenanstürmen zugesehen hätten. "Marokko will, dass das Landwirtschaftsabkommen erfüllt wird, und Spanien könnte dabei helfen, indem gezeigt wird, wie wichtig Marokko für den Stopp der Einwanderung ist", heißt es. Und warum das alles? Marokko sei für Spanien von großer Bedeutung. "Unabhängig von der EU bestehen bilaterale Abkommen in Sachen Terrorismus und Sicherheit, die vor allem Ceuta und Melilla betreffen." (Reiner Wandler, 21.2.2017)

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    Dieser Migrant schafft es nicht auf die spanische Seite – mehr als 800 andere waren zuletzt erfolgreicher.

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