"Grimm!": Schwein sein, beieinander bleiben

    21. Februar 2017, 14:04
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    Märchenklassiker werden auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und entpuppen sich als Gerüchte einer tierischen Dorfgemeinschaft

    Endlich Schluss mit den Märchen! Die pubertierende Dorothea (Florine Schnitzel) hat im Renaissancetheater genug von den Geschichten über den bösen Wolf und von ihrem Spitznamen Rotkäppchen. Viel lieber möchte sie den verbotenen Wald erkunden und stößt dabei sogleich auf Grimm (Lukas Weinberger).

    Der junge Wolf in Lederkluft hat jedoch auch so einige Horrorerzählungen über die Spezies Mensch gehört. Im Musical von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text) werden Märchenklassiker auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und entpuppen sich als Gerüchte einer tierischen Dorfgemeinschaft.

    Gisela Geiss (Alexandra Yoana Alexandrova) ist beispielsweise eine sitzengelassene Ziegenmutter mit vier – statt sieben! – Geißlein. Unter der Regie von Werner Sobotka wird nun auch im Theater der Jugend mit Grimm! die "wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf" erzählt. Da bleibt auch das klassische Märchen-Happy-End aus. Am Ende liegt es am jungen Publikum selbst, dass sich dieses einlöst.

    Schweinische Natur

    Sobotka hat ein charmant-witziges Ensemble zusammengestellt. Die heimlichen Helden sind hier schweinischer Natur. Das Wildschwein (Katharina Gorgi) und Dicklinde (Diana Schniererova) werden zum Traumpärchen und überschreiten mit ihrer Liebesbeziehung nicht nur die Wald-Dorf-Grenze. Zum sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz wird Schweinchen Schlau (Kaj Luis Lucke): Dieses spekuliert auf das Amt des Bürgermeisters und verbreitet deshalb in Trump-Manier ("Make the Dorf great again!") Lügen über das Gebiet hinter der Dorfgrenze.

    US-Politik im Märchengewand: Die Waldbewohner rund um Oma Eule (Enny Alejandra Grijalva Villalobos) tragen Mexiko-Flaggen (Kostüm: Elisabeth Gressel). Dazu liefern eingängige Gesangseinlagen eine Botschaft, die zu mehr Toleranz auffordert. Jubelnder Applaus! (kst, 21.2.2017)

    Bis 11. 3., ab 6 Jahren

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    Theater der Jugend

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