Ägyptens Währungsschock zeigt Wirkung

21. Februar 2017, 09:00
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Die Inflation liegt nach Auflösung der Dollarbindung bei 30 Prozent, die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt, Ärmere verzichten auf Fleisch

Mit schreierisch beworbenen Rabatten sollen Ägyptens Konsumenten und Konsumentinnen in den Supermärkten wieder zum Kauf animiert werden. Die Aktionen sollen vergessen machen, dass sich die Preise von Grundnahrungsmitteln wie Zucker oder Reis in den vergangenen Monaten verdoppelt haben.

Viele Leute aus ärmeren und mittleren Schichten sind gezwungen, ihren Verbrauch zu reduzieren, auf billigere Produkte auszuweichen oder ganz auf Fleisch zu verzichten. Einer der größten Hersteller von Milchprodukten hat vor wenigen Tagen angekündigt, seine Investitionen zurückzufahren, weil die Kapazitäten wegen des gesunkenen Absatzes noch bis 2018 ausreichen würden. Auch in anderen Branchen, etwa den Bekleidungsgeschäften, wird über Umsatzeinbrüche geklagt.

Stärker als erwartet

Der Währungsschock, ausgelöst durch die Freigabe des Kurses des ägyptischen Pfundes Anfang November, ist stärker ausgefallen, als einheimische Ökonomen und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet hatten. Der Wechselkurs hat sich gegenüber dem US-Dollar von 8,8 auf bis zu 19 Pfund mehr als verdoppelt. Als Folge ist die Inflation im Jänner auf 29,6 Prozent geschnellt, rund zehn Prozent höher als vorausgesagt. Ein Grund für diesen extremen Preisausschlag sind neben den verteuerten Importen allerdings auch die Monopolstrukturen in vielen Branchen.

Die Freigabe des Wechselkurses war Teil eines mit dem IWF ausgehandelten Maßnahmenpakets mit einem zwölf Milliarden Dollar (11,3 Mrd. Euro) schweren Kreditprogramm. Im Juni soll die erste Überprüfung stattfinden. Bereits letzte Woche hat IWF-Chefin Christine Lagarde erklärt, es gebe Anzeichen dafür, dass die Übergangsphase zu Ende gehe. Man sehe gute Fortschritte, die Verantwortlichen würden die Reformen vorantreiben.

Importmengen gesunken

Grund für den positiven Ausblick ist die Tatsache, dass seit einigen Tagen das Pfund wieder an Wert gewinnt. Der Dollar ist rund 18 Prozent billiger geworden. Die Dollarknappheit ist vorerst beseitigt – weil die Importe gesunken sind, die Gastarbeiter im Ausland mehr Dollar überwiesen haben und die Zentralbank öffentliche Anleihen auf dem internationalen Markt über vier Milliarden Dollar aufgenommen hat.

Das ägyptische Finanzministerium geht deshalb davon aus, dass ab spätestens März die Inflation wieder leicht zurückgehen wird. Der günstige Pfundkurs hat bereits zu einem Anstieg der Exporte geführt, und ausländische Investoren scheinen wieder Vertrauen in die ägyptische Wirtschaft zu fassen. Der wichtigste Börsenindex hat um 50 Prozent zugelegt.

Wettlauf mit der Zeit

Als Erste haben Energiefirmen Milliardenvorhaben im Bereich der Öl- und Gasförderung angekündigt. Damit werden allerdings nur wenige der dringend benötigten Arbeitsplätze geschaffen.

Die Regierung in Kairo steht in einem Wettlauf mit der Zeit. Die Frage ist, wie lange die Bevölkerung bei einer Armutsrate von gut 27 Prozent noch stillhalten wird und soziale Unruhen ausbleiben. Zwar fließt mehr Geld in Sozialprogramme. Sie sind aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. (Astrid Frefel aus Kairo, 21.2.2017)

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    Ägyptens Konsumenten ist angesichts der Preissteigerungen das Konsumieren kräftig vergangen.

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