Oskar Werner: Elegischer Bohemien und melancholischer Narr

20. Februar 2017, 15:14
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Er war ein Schauspieler mit Charisma, Leidenschaft und Starrsinn: eine Filmreihe für Oskar Werner

Fürstenfeld – Auf Theaterbühnen wusste er ebenso zu brillieren wie in seinen Film- und Fernsehrollen. Sein vor zwei Jahren verstorbener Kollege, der Schauspieler und Regisseur Peter Kern, erinnerte sich, dass er als Jugendlicher Theatermatineen besuchte, bei denen das Publikum nach Vorstellungsende eineinhalb Stunden lang applaudierte: Kein Wunder, denn Oskar Werner war ein Darsteller mit unglaublichem Charisma.

Unmittelbar nach Kriegsende begann 1945 seine Karriere mit Engagements an Bühnen in Wien, Basel, Zürich und Salzburg. Mit seiner kapriziösen Sprechtechnik machte er Furore, oft spielte er den Charmeur und jugendlichen Liebhaber mit schwierigem Charakter, später auch gern den Leidenden.

Fürstenfelder Filmtage

Einige Kostproben seiner Filmarbeit sind in den kommenden Tagen im Rahmen der Fürstenfelder Filmtage zu sehen, die am Freitag mit der österreichischen Nachkriegsproduktion Mozart mit Werner in der Rolle des "Hofkompositeurs" eröffnet werden. Am Sonntag (26. 2.) folgt der britische Spionagefilm Der Spion, der aus der Kälte kam (1965) nach John le Carré, in dem der überzeugte Pazifist Werner unter Hollywoodregisseur Martin Ritt an der Seite von Richard Burton zu sehen ist.

Bereits vier Jahre zuvor hatte Werner erstmals mit dem französischen Nouvelle-Vague-Pionier François Truffaut zusammengearbeitet: In Jules und Jim (1961) gibt er neben Jeanne Moreau den bohemienhaften Österreicher Jules (Donnerstag, 2. 3.), in Truffauts Verfilmung von Ray Bradburys Science-Fiction-Dystopie Fahrenheit 451 (1966) einen Feuerwehrmann in einer autoritären Gesellschaft, der zuerst Bücher verbrennt, sich dann aber zum subversiven Leser wandelt (Freitag, 3. 3.).

Freier Eintritt

In einer seiner bekanntesten Hollywoodrollen ist Werner schließlich in Stanley Kramers Ensemblefilm Das Narrenschiff (1965) zu sehen: Die Darstellung des herzkranken österreichischen Schiffsarztes Dr. Schumann sollte ihm eine Oscarnominierung einbringen (Samstag, 4. 3.).

Den Abschluss (Sonntag, 5. 3.) bildet schließlich eine weitere US-Produktion: Michael Andersons etwas langatmiges, aber mit Laurence Olivier und Anthony Quinn hochkarätig besetztes Kirchendrama In den Schuhen des Fischers (1968). Freier Eintritt bei allen Vorstellungen, Einführung: Frank Hoffmann. (Gerhard Dorfi, 20.2.2017)

24. 2. – 5. 3., Fürstenfeld, Grabher-Haus, 0664/245 55 78, 19.00

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Fürstenfelder Filmtage

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