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Trump-Effekt in der österreichischen Wirtschaft?

21. Februar 2017, 14:16

Donald Trump, seit einigen Wochen Präsident der USA, sorgt mit seinen Policy-Vorschlägen, Tweets und Plänen für mediales Aufsehen. Doris Kiendl, Leiterin des Instituts International Management der FH JOANNEUM, über die Auswirkungen dieser Präsidentschaft auf die österreichische Wirtschaft.

In Österreich hängen einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) zufolge eine Bruttowertschöpfung von rund 4,5 Milliarden Euro und rund 60.000 Jobs an den direkten Exporten in die USA. Rechnet man die indirekten Exporte via Deutschland in die USA dazu, so sind es sogar 80.000 Arbeitsplätze. 2015 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als neun Milliarden Euro aus Österreich in die USA exportiert.

Österreich hat eine Exportquote von knapp 54 Prozent des Bruttoinlandprodukts, das heißt Österreich erwirtschaftet fast sechs von zehn Euro durch den Export. Dass es auch im Jahr 2015 wieder einen Export-Zuwachs gab, verdankt Österreichs Exportwirtschaft vor allem der NAFTA-Region (USA, Kanada und Mexiko), der Schweiz, wieder wachsenden Märkten Europas wie Spanien und der Tschechischen Republik sowie stärker wachsenden Schwellenländern Asiens – insbesondere Indien.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Exportwirtschaft wurde 2015 auch von den Wechselkursen bestimmt. Im Verlauf des Jahres 2015 hat sich der Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken um rund zehn Prozent verschlechtert, was die Konkurrenzfähigkeit des österreichischen Angebots in diesen Märkten steigerte. Die USA ist nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt für österreichische Unternehmen.

Mögliche Auswirkungen auf die österreichischen Unternehmen

Die von Präsident Trump vorgesehene Reindustrialisierung und verstärkte lokale Produktion in den USA eröffnen neue Chancen für Gesamtlösungen im Anlagenbau und in der Automatisierungstechnik. Anbieter im Bereich Konsumgüter und Lifestyle profitieren nach wie vor von steigender Konsumnachfrage und erhöhtem Familieneinkommen durch die vorgesehenen Steuersenkungen. Chancen für österreichische Lieferanten bestehen am Automobilsektor, an dem die europäischen Erfahrungen mit kleinen Motoren und leichten Werkstoffen gefragt sind. Bei Energieeffizienz und nachhaltigen Baulösungen stecken die USA in den Kinderschuhen. Eine Erholung der Baukonjunktur bringt generell breitere Möglichkeiten bei Baumaschinen, Materialien und Innenausstattung. Trump will nicht nur mit Sanktionen drohen, wenn Firmen abwandern, er will auch locken: mit deutlich niedrigeren Steuersätzen für Firmen.

Einige der angekündigten Maßnahmen würden allerdings potenziell negative Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft haben: Im Raum stehen eine US-Importsteuer und womöglich "Strafzölle", unter anderem für Importe aus Mexico. Das würde österreichische Autozulieferer treffen, von denen einige von Mexiko hauptsächlich in die USA liefern.

Eine Abschottung der amerikanischen Wirtschaft, wie von Präsident Trump im Wahlkampf mitunter angekündigt, könnte Direktinvestitionen österreichischer Firmen in den USA erschweren und auch eine unmittelbare Auswirkung auf Exporte österreichischer Firmen in die USA haben. Damit wären auch viele Arbeitsplätze in Österreich in Gefahr.

Spürbarkeit der Auswirkungen

Vorhersagen über die konkreten Auswirkungen der kommenden Präsidentschaft von Donald Trump auf die Wirtschaft sind schwer und hängen davon ab, was tatsächlich von der Wahlkampfrhetorik in Politik umgesetzt wird.

Es lässt sich natürlich nicht garantieren, dass Trump für einen Wirtschaftsaufschwung in den USA sorgen kann, aber es ist möglich. Er will die Unternehmenssteuern auf 15 Prozent senken. Heute sind sie in den USA sehr hoch im internationalen Vergleich. Eine Senkung der Unternehmenssteuern wird unter dem Strich mehr Einnahmen für Unternehmen bringen, mehr Jobs und mehr Produktion. Firmen soll dadurch ein Anreiz geschaffen werden, in die USA zurückzukehren. Falls es tatsächlich rasch zu der angekündigten Steuersenkung in den USA kommt, wäre dieser Effekt schon recht bald spürbar.

Reaktionen in Österreich auf die neue Situation

Zu erwarten sind in den USA unter anderem mehr Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur, Einschnitte im Gesundheitssektor, weniger strenge Regeln im Energie, Umwelt- und Finanzsektor sowie Änderungen in der Handels- und Einwanderungspolitik in die USA. Es werden sich neue Chancen bieten, die es zu nutzen gilt.

Eine neue Studie des WIFO, die vor kurzem präsentiert wurde, besagt, dass sich Österreich im Export – sowohl nach Warengruppen als auch nach Zielregionen – breiter aufstellen sollte. Dazu sind vor allem Investitionen in Österreich in die Bereiche Forschung und Entwicklung, Bildung und erneuerbare Energien erforderlich, um global in den Zukunftsmärkten mit innovativen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich zu sein.

  • Artikelbild
    foto: fh joanneum
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