Österreich: Versorgung von Schlaganfall vorbildlich

    20. Februar 2017, 12:23
    1 Posting

    Österreich verfügt über ein flächendeckendes Versorgungssystem für Schlaganfallpatienten – Ziel ist es, Invalidität zu vermeiden

    Rund 25.000 Menschen erleiden pro Jahr in Österreich einen Schlaganfall. Die medikamentöse Gerinnselauflösung und/oder Entfernung des Thrombus per Katheter sind die besten Behandlungsmöglichkeiten. Sie stehen praktisch flächendeckend und rund um die Uhr zur Verfügung, waren sich die Experten auf einer Arbeitstagung für NeuroIntensivMedizin (ANIM) in Wien einig.

    "Wir konnten bei der Etablierung der neuesten Behandlungsmethode, der Thrombektomie bei schweren Schlaganfällen auf das seit langem in Österreich bestehende Netz der Stroke Units zurückgreifen", sagte der Innsbrucker Neurologe Stefan Kiechl, Präsident der Österreichischen Schlaganfallforschung. Bei der Tagung mit rund 1.600 Teilnehmern aus Österreich und Deutschland ging es um neurologisch-neurochirurgische Themen.

    Therapie in 30 Minuten

    Derzeit gibt es in Österreich 38 Stroke Units. Jeder Schlaganfallpatient könnte bei schnellem Alarm binnen 30 Minuten in eine solche Einheit eingeliefert werden. CT-Untersuchungen rund um die Uhr zur Diagnosestellung und dann – so möglich – die sogenannte Thrombolyse waren bis vor wenigen Jahren die modernste Behandlungsstrategie.

    Durch die Injektion von rt-PA, einem Biotechmedikament, wurde und wird dann versucht, das Gerinnsel in einem Gehirngefäß wieder aufzulösen. Diese Therapieform kam ursprünglich aus der Kardiologie (akuter Herzinfarkt).

    "Das Zeitfenster dafür beträgt viereinhalb Stunden ab Auftreten der Symptome. Bei leichteren bis mittleren Schlaganfällen gelingt die Gerinnselauflösung bei 65 bis 70 Prozent der Patienten, bei großen Schlaganfällen aber nur in zehn bis 20 Prozent der Fälle", sagte Kiechl. Das bedeutet bei allen Fortschritten, dass durch die Thrombolyse bei schweren Insulten durch Gefäßverschluss zehn bis 15 Prozent der Behandelten eine bleibende Invalidität erspart werden kann.

    Gerinnsel entfernen

    Die Thrombektomie mit dem Einführen eines Katheters bis zu dem beim Schlaganfall aufgetretenen Gerinnsel im Gehirn und dem mechanischen Entfernen des Thrombus hat in den vergangenen Jahren die Situation revolutioniert. "Damit kann man bei 80 bis 85 Prozent der Patienten mit einem großen Schlaganfall das Gerinnsel entfernen. Die Rate der Patienten ohne bleibende Schäden beträgt dann 45 Prozent", sagte Kiechl.

    In den vergangenen Jahren gelang es, in jedem österreichischen Bundesland zumindest ein solches Katheterlabor rund um die Uhr an 365 Tagen zu etablieren. Man rechnet mit der Notwendigkeit eines solchen Labors für eine Million Einwohner bei dort dann 50 bis hundert derartigen Eingriffen pro Jahr.

    Zunächst wird versucht, das Gerinnsel per Thrombolyse zu beseitigen. Gelingt das nicht, erfolgt die Katheterbehandlung. Patienten können nach nicht erfolgreicher Thrombolysetherapie an einer anderen Stroke Unit auch in die entsprechenden Einrichtungen für die Kathetertherapie überstellt werden. "Das Zeitfenster für die Thrombektomie beträgt sechs Stunden", sagte Kiechl. Es gibt aber Bemühungen, den Zeitraum auf 7,5 Stunden auszudehnen.

    Steigende Patientenzahlen

    Österreich steht im internationalen Vergleich sehr gut da. "2014 gab es erst rund 300 solcher Thrombektomien. 2016 waren es bereits 650. Wir rechnen mit einem Anstieg auf 1.000 bis 1.200", sagte der Neurologe. In Österreich führen diese Eingriffe zumeist interventionelle Radiologen durch. Man rechnet, dass man für den Betrieb eines solchen Labors fünf bis sechs speziell ausgebildete Experten benötigt. Dann lassen sich die Dienste rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres gut organisieren.

    Bei der Tagung in Wien wurden aus dem österreichischen Schlaganfallregister von dem in der Bundeshauptstadt tätigen Experten Wilfried Lang auch die registrierten Behandlungsergebnisse präsentiert. Laut Kiechl sieht es so aus, als würden die österreichischen Spezialisten dabei in der täglichen Praxis mit der Thrombektomie ähnliche, wenn nicht sogar bessere Ergebnisse erzielen als dies in den klinischen Studien der Fall war. Das wäre ein großer Erfolg. (APA, 20.2.2017)

    Share if you care.