Exmitarbeiterin erhebt schwere Sexismus-Vorwürfe gegen Uber

20. Februar 2017, 10:04
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Personalabteilung soll Fehlverhalten gedeckt haben – Firmenchef Travis Kalanick kündigt Untersuchung an

Die Fahrtvermittlungsplattform Uber sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt. Eine ehemalige Mitarbeiterin, Susan Fowler, hat in einem Blogeintrag über ihre einjährige Arbeitszeit bei dem Unternehmen geschrieben.

In diesem berichtet sie über organisatorisches Chaos, firmeninterne Rivalitäten und zudringliche Manager. Doch sexistische Vorkommnisse sollen von der Personalabteilung gedeckt worden sein.

Manager schickte befremdliche Chatnachrichten

Fowler ist nach eigenen Angaben im November 2015 als Site Reliability Engineer bei Uber an Bord gekommen. Nach einigen Wochen Training sei sie in eines der Teams eingestiegen und habe schon am ersten Tag befremdliche Botschaften ihres Managers über das firmeninterne Chatsystem erhalten.

Er lebe in einer offenen Beziehung, und während seine Freundin kein Problem hätte, neue Partner zu finden, gelänge ihm das nicht. Er versuche, sich in der Arbeit vor Schwierigkeiten fernzuhalten, könne aber nicht anders, als ein Risiko einzugehen, weil er nach Frauen für Sex suche. "Ich habe sofort Screenshots gemacht und ihn bei Human Resources (Anm.: Personalabteilung) gemeldet", schreibt Fowley.

Kaum Konsequenzen

Sowohl dort als auch im höheren Management sah man das Verhalten des Teamleiters zwar als sexuelle Belästigung an, lehnte aber strenge Konsequenzen ab. Weil es sein erstes Fehlverhalten gewesen sein soll, wollte man es bei einem ernsten Gespräch und einer Verwarnung bewenden lassen – auch aufgrund seiner guten Arbeitsperformance.

Fowley wiederum solle vor der Wahl gestanden haben, das Team zu wechseln oder zu bleiben. In letzterem Falle würde sie jedoch ein schlechtes Performance-Review durch diesen Manager riskieren, gegen welches die Firma nichts tun könne. Da ihr die Wahl gelassen wurde, wäre eine negative Bewertung nicht als Racheakt zu sehen. Da weitere Debatten nicht fruchteten, wechselte sie zu einem anderen Team, in dem sie sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren konnte.

Mehrere Betroffene

In den folgenden Monaten sei sie jedoch auf mehrere andere Frauen getroffen, die ähnliche Erfahrungen mit Belästigung gemacht hatten, manche sogar mit dem gleichen Manager. Und auch diesen war erzählt worden, es sei dessen erster Verstoß gewesen.

Die Betroffenen vereinbarten einzelne Gesprächstermine mit der Personalabteilung, um Konsequenzen zu fordern. Dort hielt man aber jeweils daran fest, nur von einem einzigen Verstoß zu sprechen. Nach einigen Monaten habe der Manager die Firma schließlich aus nicht näher bekannten Gründen selber verlassen.

Game of Thrones

Gleichzeitig arbeiteten die Verantwortlichen bei Uber oft in "Game-of-Thrones-artiger Manier" gegen- statt miteinander. So enthielten etwa Manager höherrangigen Kollegen wichtige Informationen vor, um sich deren Posten zu sichern. Teams und Projekte wurden willkürlich aufgelöst. Nachdem auch in ihrer Abteilung zunehmend Zerfallserscheinungen zu sehen waren, habe sie einen Transfer zu einem anderen Team beantragt. Und obwohl sie die Voraussetzungen erfüllt habe, sei ihr der Wechsel verweigert worden.

Nach fadenscheinigen Begründungen soll dazu sogar eine Arbeitsbewertung nachträglich verändert worden sein, was sie die Finanzierung eines Ausbildungsprogramms durch Uber an der Universität Stanford gekostet haben soll. Grund sollen interne Machtspiele gewesen sein.

Streit um Jackenbestellung

Sie schildert auch eine bizarre Episode. So habe der Abteilungsleiter allen seinen Mitarbeitern Lederjacken als Geschenk versprochen. Diese seien letztlich aber nur für die 120 männlichen Angestellten bestellt worden, weil die Firma für diese Menge einen Rabatt gewährt bekam. Die sechs Frauen erhielten keine, weil es nach Ansicht des Direktors nicht "fair" gewesen wäre, dass deren Jacken pro Stück teurer seien.

Als Fowley auch dieses Vorkommnis der Personalabteilung meldete, sei ihr dort Geltungssucht vorgeworfen worden. Ihr Manager habe ihr zudem mit Entlassung gedroht, weil sie diesen Vorfall überhaupt gemeldet hatte. Auch dies habe sie an die Personalabteilung weiter geleitet, da ein solches Vorgehen nach kalifornischem Recht illegal sei. Diese Einschätzung teilte man dort zwar, unternahm jedoch nichts. Eine Woche später, im Dezember 2016 verließ Fowley schließlich Uber und heuerte beim Bezahldienst Stripe an.

Kalanick und Huffington wollen untersuchen

Ihre Schilderungen sorgten in kürzester Zeit für zahlreiche Berichte und große Aufmerksamkeit. "Was hier beschrieben wird ist abscheulich und geht gegen alles, an das wir glauben", schreibt Uber-CEO Travis Kalanick auf Twitter. "Jeder, der sich so verhält oder denkt, dies sei okay, wird gefeuert." Seitens der Leiterin der Personalsparte des gesamten Unternehmens werde nun eine Untersuchung eingeleitet.

Auch Arianna Huffington hat sich eingeschalten. Die Medienunternehmerin sitzt im Verwaltungsrat von Uber und hat ihre E-Mail-Adresse veröffentlicht. Sie ruft andere Betroffene auf, sich bei ihr zu melden.

Uber-Manager sinnierte über Überwachung von Journalisten

Uber geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik nicht nur wegen der aggressiven internationalen Expansion mit der Missachtung geltender Regeln, sondern auch wegen des Verhaltens seiner Führungskräfte. So sorgte der Topmanager Emil Michael vor gut zwei Jahren für massive Kritik mit öffentlichen Gedankenspielen, man könne kritische Journalisten ausforschen, um Material gegen sie in der Hand zu haben. Michael behielt seinen Job.

Uber-Chef Kalanick stand zuletzt in der Kritik, weil er im Wirtschaftsrat des US-Präsidenten Donald Trump saß. Er gab den Posten im Beraterstab dann schnell wieder auf. "Der Gruppe anzugehören sollte nicht bedeuten, Unterstützer des Präsidenten oder seiner Agenda zu sein", schrieb Kalanick in einer E-Mail an seine Belegschaft. Aber unglücklicherweise sei es genau als das missverstanden worden. (gpi, APA, 20.02.2017)

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    Sexismus und Machtkämpfe á la "Game of Thrones": Susan Fowley lässt kein gutes Haar an Uber.

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