Ein Monat wüster Politik mit Donald Trump

20. Februar 2017, 07:00
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Es ist genau ein Monat her, dass Donald Trump als 45. US-Präsident vereidigt wurde. Sein politischer Stil hat sich aber seitdem nicht verändert

Es ist so inszeniert, dass man glauben könnte, es sei ein spontaner Einfall: Donald Trump holt einen Fan auf die Bühne, den er scheinbar zufällig in den Zuschauerreihen entdeckt hat. Launig weist er seine verblüfften Leibwächter an, ihn über die Absperrgitter klettern zu lassen. Er habe keine Angst vor ihm – höchstens davor, dass er ihm einen Kuss geben könnte, witzelt er. Am Rednerpult darf der Mann zwei Sätze sagen, dann schiebt ihn Trump vom Mikrofon weg, um wie ein Boxpromoter zu rufen: "Ein Star ist geboren!"

Die Inszenierung von Volksnähe ist sein Erfolgsrezept. Darum kehrt er zurück auf die Wahlkampfbühne, nach Melbourne, Florida. Weit weg von Washington, wo sich der Eindruck verdichtet, dass die Bürde des Amtes diesen unberechenbaren, ungeduldigen Narziss überfordert.

Wie schon im Wahlkampf sind es die "Fake-News-Medien", die Trump aufs Korn nimmt. Bloß ist aus Polemik gegen Einzelne längst ein Generalangriff geworden: Diese Medien seien nicht seine Feinde, nein, sie seien Feinde des amerikanischen Volkes, twitterte er am Abend vor der Kundgebung. "Sie haben ihre eigene Agenda, und ihre Agenda ist nicht unsere Agenda", sagt er in Melbourne, bevor er von einem angeblich verheimlichten Terroranschlag in Skandinavien faselt. "Schaut euch an, was letzte Nacht in Schweden passierte", sagt er und lässt nicht nur die Schweden rätseln, was er gemeint haben könnte.

Es gibt Wortmeldungen amerikanischer Psychologen, die dem 70-Jährigen nahelegen, sich auf die Couch zu legen, um sich auf Persönlichkeitsstörungen überprüfen zu lassen. In Wahrheit scheint eine ausgeklügelte Strategie hinter der Medienschelte zu stecken. Der Präsident, der weiß, dass ihn das Parlament nicht bremsen wird, weil seine Republikaner dort zumindest bis zur nächsten Kongresswahl eine komfortable Mehrheit stellen, folgt einem Muster, wie es Autokraten gemeinhin anwenden.

Fieberhafter Aktionismus

In dem Versuch, seine Machtfülle noch auszubauen, redet er dem Publikum ein, dass man Nachrichten als solchen nicht mehr trauen könne, weil sie im Sinne der Elite verzerrten, was sich wirklich in der Welt abspiele; und dass allein seine Version die glaubhafte sei. Zudem, das ist der taktische Aspekt, will er ablenken von einem Start in die Präsidentschaft, den sogar Parteifreunde als turbulent charakterisieren.

Mit fieberhaftem Aktionismus wollte der hemdsärmelige Milliardär den Eindruck erwecken, dass er, ein Mann der Tat, seine Wahlversprechen ruck, zuck erfüllt. Dazu gehörte es, mit grimmiger Miene im Oval Office zu sitzen und Dekrete zu unterzeichnen, in blaues Leder gebundene Papiere, die ihm sein Stabschef Reince Priebus in geradezu ehrfürchtiger Pose auf den Schreibtisch legte. Kritiker sprechen von Staatstheater, denn in der Sache ist bisher relativ wenig passiert.

Trumps Einreiseverbot für Staatsbürger von sieben muslimisch geprägten Ländern hat die Gerichte auf den Plan gerufen, die das Dekret postwendend kassierten. Seinen Sicherheitsberater musste er nach 24 Tagen im Amt entlassen, der Nachfolgekandidat gab ihm einen Korb: Robert Harward, ein ehemaliger Navy Seal, führte "familiäre Gründe" für seine Absage ins Feld. Es war der bisher letzte Beleg für die Atmosphäre akuter Verunsicherung, wie sie im Weißen Haus nun offenbar herrscht.

Wunder dauern länger

Hatte der Kandidat Trump großspurig angekündigt, Obamacare, die unter Konservativen verhasste Gesundheitsreform seines Vorgängers, durch etwas "Wunderbares" zu ersetzen, zeigt sich nun, dass Wunder länger dauern. Es grassiert die Angst, es könnten nun Millionen von Neuversicherten die Krankenversicherung verlieren, ohne dass bezahlbare Alternativen geschaffen werden. Innenpolitisch ist es das Thema, das vielen Amerikanern am meisten unter den Nägeln brennt.

Die Rückkehr in den Wahlkampfmodus, sie scheint allein darauf angelegt, das alles für eine Weile vergessen zu lassen. An Details und an Substanz hat Trump in Melbourne praktisch nichts Neues zu bieten, umso bombastischer sind seine Verheißungen. "Das wird ein Wandel für die Ewigkeit", tönt er, "ein Wandel, wie es ihn nie zuvor gab!" (Frank Herrmann aus Washington, 20.2.2017)

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    "Make America great again": Der vor einem Monat vereidigte Donald Trump hat noch immer nicht vom Wahlkampf- in den Präsidentenmodus gefunden. Das bewies er am Wochenende mit einer Rede.


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    Trump holte in Florida einen Unterstützer auf die Bühne

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