Der Rettung der Sammlung Essl folgt eine Fortführung

    19. Februar 2017, 16:05
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    Neuankäufe für die Sammlung seien in Planung

    Wien – Der ersten Etappe der Rettung der Sammlung Essl durch einen Überbrückungskredit (rund 115 Millionen Euro) von Hans Peter Haselsteiner im Herbst 2014 folgt mit der Übernahme als Dauerleihgabe durch die Albertina jetzt eine weitere vorläufige. Eine Erhaltung, die das Bundesbudget belastet: mit Kosten für die Versicherung der Privatsammlung, den Depotbetrieb in Klosterneuburg und die Übernahme der dort verbliebenen vier Mitarbeiter, wie die Albertina-Sprecherin auf Anfrage bestätigt.

    Zusätzlich zur Basisabgeltung bekommt die Albertina dafür 1,1 Millionen Euro jährlich. Hochgerechnet auf die vereinbarte Leihdauer von 27 Jahren dürfte es, inklusive absehbarer Erhöhungen, um etwa 35 Millionen Euro gehen. Als "eines der besten Geschäfte, die die Republik je gemacht hat", bezeichnete Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) diesen Deal, der Österreich dauerhaft "mehr als 6000 Werke" sichert.

    6000? Der Umfang der Sammlung harrte auch im Zuge der Pressekonferenz einer Klärung. Auf Nachfrage des STANDARD erklärt Klaus-Albrecht Schröder dazu: Für das Zählen sei "der Direktor der Albertina nicht zuständig", und es läge derlei "weit unter meiner Wahrnehmungsschwelle".

    Als Karlheinz Essl die Sammlung einst der Republik zum Kauf antrug, war ihr Umfang mit 4900 Werken beziffert worden, bestehend aus 7000 "Einzelpositionen". An Valie Exports Videoinstallation I (beat [it]) II erklärt: Sie umfasst eine Zinnwanne (mit Altöl), eine Fotografie, drei Videos bzw. Bildschirme, acht Bleibandagen und zwei Bleihandschuhe. Das ergibt ein aus 15 "Einzelpositionen" bestehendes Kunstwerk.

    Umfang: 4602 Kunstwerke

    An der reinen Stückzahl bemessen umfasst die Sammlung derzeit 7132 Objekte oder 4602 Kunstwerke, wie schließlich in Erfahrung zu bringen war. Demzufolge wurden zur Refinanzierung des Kredits bislang knapp 300 Werke verkauft. Auf Anfrage beziffert Haselsteiner den Schuldenstand mit derzeit etwa 40 Millionen Euro.

    Eine Deckung habe jedoch "nicht erste Priorität" und wird sukzessive erfolgen, ohne den Kernbestand zu schädigen. Welche Kunstwerke veräußert werden, entscheide allein die Albertina. Laut Haselsteiner werden damit künftig auch Neuankäufe finanziert. Denn das erklärte Ziel sei eine Fortführung der Sammlung Essl, schließlich soll ihr Sterbedatum nicht 2014 gewesen sein. (Olga Kronsteiner, 19.2.2017)

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