In Erwartung eines "Festivals der Gewalt"

17. Februar 2017, 17:38
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Russische Hooligans freuen auf die Fußball-WM im eigenen Land. Russische Politiker wittern eine Verschwörung des Westens

London/Moskau – Russische Hooligans wollen die Fußballweltmeisterschaft 2018 im eigenen Land in ein "Festival der Gewalt" verwandeln. Diese und ähnliche Aussagen Gewaltbereiter wurden am Donnerstagabend in der Dokumentation Russia's Hooligan Army vom britischen TV-Sender BBC ausgestrahlt.

"Jeder unserer Bewegung freut sich auf die WM in Russland. Man muss nicht reisen, um Spaß zu haben", sagte ein Russe vor dem WM-Stadion von Rostow: "Unsere Gegner sind natürlich die Engländer, weil sie die Urväter der Hooliganbewegung sind." Auch ein führendes Mitglied der Bewegung "Orel Butchers", die in Verbindung mit den Gewaltexzessen zwischen russischen und englischen Hooligans bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich steht, erklärte, dass zu 100 Prozent Angriffe gegen englische Anhänger organisiert würden.

Nur Stunden vor der Ausstrahlung der Dokumentation hatte Gianni Infantino, der Präsident des Weltverbandes Fifa, bei einem Auftritt in Katar noch gesagt, dass er "nicht besorgt über Ärger und Gewalt" sei. "Russland ist ein gastfreundliches Land, das den Fußball feiert."

Der Sicherheitschef des russischen Fußballverbandes RFU, Wladimir Markin, wittert in der BBC-Doku gar Propaganda des Westens. "Das ist eindeutig Propaganda und soll möglichst viele Engländer davon abhalten, zur WM zu reisen. Ein anderes Ziel gibt es nicht", sagte Markin der Nachrichtenagentur R-Sport. Verbandschef Witali Mutko erklärte die Doku im Gespräch mit der staatlichen Agentur Tass zu einer "Kampagne, mit dem Ziel zu diskreditieren". Russland habe Sicherheitsgarantien gegeben und werde seinen Verpflichtungen nachkommen.

Alexej Sorokin, der Chef des WM-Organisationskomitees, sprang dem Sportminister und Vizepremier bei. "Wir freuen uns mit all den vernünftigen Menschen auf der Welt auf ein großartiges Fußballfest in unserem Land." Dies werde definitiv nicht durch gewalttätige Fans getrübt werden. Ein spezielles Ticketingsystem solle Hooligans schon im Vorfeld davon abhalten, ins Stadion zu gelangen. "Außerdem haben wir einen soliden Sicherheitsplan und fühlen uns gut vorbereitet", sagte Sorokin.

Tatsächlich unterschrieb Präsident Wladimir Putin erst kürzlich ein Gesetz, das strengere Kontrollen bei Fußballspielen sicherstellen soll. Außerdem wird das Innenministerium eine Liste von Problemfans veröffentlichen, die mit Stadionverboten belegt sind. Auslöser waren wiederholt schwere Ausschreitungen im Umfeld von Spielen der Premier-Liga, der 1. und der 2. Division.

Nach den Vorfällen bei der EM, den Szenen in Marseille, wo russische Hooligans regelrecht Jagd auf Engländer gemacht hatten, beliebte Putin noch zu scherzen: "Ich verstehe wirklich nicht, wie 200 von unseren Fans tausende Engländer aufgemischt haben sollen." Igor Lebedew, ein Vorstandsmitglied des russischen Verbandes, hatte die Schläger sogar angefeuert. Der Sohn des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski sitzt nach wie vor prominent in der Staatsduma.

Die Nagelprobe für die russischen Versprechungen wird der Confed-Cup ab 17. Juni. England schmückt die WM-Generalprobe nicht. (sid, lü, 17.2.2017)

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