Toyota Prius PHV: Geizig mit dem Benzin, aber Nachhilfe durch Strom

21. Februar 2017, 11:21
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Toyota zeigt, dass eine Verbesserung der Klimabilanz auch unter Verwendung eines Verbrennungsmotors möglich ist

Girona – Toyota legt ein Schäuferl nach und bringt den neuen Prius in seiner Plug-in-Version mit doppeltem Energieinhalt der Batterie gegenüber dem Vorgänger und noch weiter ausgeklügeltem Energiemanagement, womit er eine rein elektrische Reichweite von 50 km schafft – nicht nur theoretisch, sondern unter halbwegs günstigen Bedingungen auch im wahren Leben. Damit erfüllt er von der Reichweite her die heute üblichen Erwartungen an einen Plug-in-Hybrid, im Gegensatz zum Vorgänger, der ja nur 20 km schaffte.

foto: toyota

Der Prius PHV ist nicht nur größer als sein Vorgänger, sondern noch einmal länger und breiter als der Prius IV mit normalem Hybridantrieb (vorn wie hinten um ein paar Zentimeter mehr Überhang). Auch in einigen Karosseriedetails setzt sich der Plug-in vom normalen Prius ab. Das ist nicht riesig, wird aber durchaus als positiv wahrgenommen.

Kein Lastesel

Die Zuspitzung des Prius als ökonomisch-ökologisches Gesamtkunstwerk hat Nebenwirkungen. So zählt der Prius PHV nur vier Sitzplätze und ist von vornherein nicht als Arbeitstier vorgesehen, scheidet mit nur 250 kg Zuladung als Lastesel und mangels Anhängelast auch als Zugpferd aus. Befreit von diesen ohnehin eher seltenen Anwendungsfällen fiel es offenbar viel leichter, den Wagen auf höchste Effizienz im Antrieb zu trimmen.

foto: toyota

Mit einem Luftwiderstandsbeiwert (cw) von 0,25 bietet schon die Karosserie der Atmosphäre rekordverdächtig wenig Widerstand. Das komplexe Zusammenspiel der Antriebskomponenten wurde noch weiter verfeinert und auch auf das Zurückgewinnen von Strom beim Bremsen und Bergabfahren mittels einer Kombination aus Elektromotor, Generator und Freilauf hin optimiert.

foto: toyota

Dafür ist natürlich auch die Lithium-Ionen-Batterie hilfreich, die nicht nur kompakter gebaut ist als die Nickel-Metallhydrid-Batterie im normalen Prius, sondern auch in kürzerer Zeit mehr Strom aufnehmen kann. Sie wurde übrigens trotz Verdoppelung des Energieinhalts im Vergleich zum Plug-in-Vorgänger (8,8 statt 4,4 kWh) nur um die Hälfte größer und schwerer.

Batterie im Kofferraum

Trotzdem oder gerade deshalb ist da noch ein Punkt, der sich uns vielleicht erst in Zukunft in historischer Dimension erschließen wird. Die neue Batterie passte nicht mehr unter die Rücksitze und wurde deshalb am Kofferraumboden platziert, wo sie sich ganz schön breitmacht und das Ladevolumen volley von rund 500 auf 360 Liter beschneidet.

foto: toyota

Als großer Erfolg kann aber verbucht werden, dass der Prius aufgrund seiner ausgetüftelten Antriebstechnik nun in dringendem Verdacht steht, mit der kleinsten Batterie die größte Reichweite aller Plug-in-Hybride zu erreichen. Hilfreich kann dabei natürlich auch sein, dass eine teure Klimatisierung mittels Wärmepumpe nicht nur während der Fahrt am energieeffizientesten ist, sondern bereits im Stillstand erfolgen kann, wenn der Wagen noch am Strom hängt, selbstverständlich per Handy-App ferngesteuert. Außerdem sollen Solarzellen am Dach noch einmal fünf Kilometer mehr Reichweite bringen. (Rudolf Skarics, 21.2.2017)

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Nachlese:

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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