Windows ade: Wird 2017 das Jahr der Chromebooks?

    18. Februar 2017, 10:51
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    Google soll großen Push in den Consumer-Bereich planen – Kombination mit Android als zentrale Stärke

    Als Google 2011 sein erstes Chromebook der Öffentlichkeit präsentierte, sorgte dies für so manch verblüffte Reaktion. Ein System, das im Kern nicht viel mehr als ein glorifizierter Browser ist – was soll man damit bloß anfangen? Und doch hat sich Chrome OS in den letzten Jahren ordentlich gemausert, kaum ein großer Hardwarehersteller, der nicht eigene Chromebooks im Angebot hat.

    Education

    Verantwortlich zeichnet dafür vor allem eine Sparte: Im US-Bildungsbereich dominieren Chromebooks mittlerweile klar. 54 Prozent aller an Schulen und Universitäten verkauften Laptops waren laut IDC im dritten Quartals 2016 ein Chromebook. Und dies aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, kommen in diesem Umfeld doch die zentralen Stärken des Google-Systems besonders gut zum Tragen. Der Administrationsaufwand ist praktisch Null, die Hardwarekosten halten sich in engen Grenzen und die Sicherheit ist derzeit "State of the Art".

    Consumer

    Im Consumer-Markt spielen Chromebooks hingegen bisher keine relevante Rolle, doch dies soll sich schon bald ändern – zumindest wenn es nach den Plänen von Google geht. So berichtete etwa FastCompany unlängst davon, dass Google für 2017 einen großen Chromebook-Push plane. Demnach würden derzeit zahlreiche Hardwarehersteller an neuen Chromebooks arbeiten, die auch für den Consumer-Bereich interessanter sein sollen. So bestätigt etwa Marktführer Lenovo, dass es dieses Jahr gleich zwei neue Chromebook-Produktwellen aus dem eigenen Haus geben werde, eine im März und eine zweite im September.

    grafik: samsung
    Samsungs Chromebook Plus und Pro zeigen, in welche Richtung die Entwicklung geht: Touch-Support, Stift-Unterstützung und Android-Apps.

    Android-Kombination

    Den großen Unterschied im Vergleich zu den Vorjahren soll dabei die App-Unterstützung machen. Waren frühere Chromebooks auf Web-Anwendungen begrenzt, werden alle kommenden – und ein Teil der bestehenden – Chrome-OS-Geräte mit Android-Support ausgestattet sein. Dies lässt sich mittlerweile auch auf einer offiziellen Support-Seite von Google nachlesen, kann also als bestätigt angesehen werden.

    Desktop-Tauglichkeit

    Der Android-Support befindet sich bereits seit vergangenem Jahr in einer Testphase, die aktuell aber noch auf wenige ausgewählte Geräte beschränkt ist. Google arbeitet dabei noch an einigen wichtigen Neuerungen, die die Desktop-Tauglichkeit des ursprünglich für Smartphones und Tablets entwickelten Systems verbessern sollen. So soll das Update auf Android 7.0 das freie Vergrößern von App-Fenstern ermöglichen, wie man es von klassischen Desktop-Systemen gewohnt ist. Bisher sind die Android-Apps unter Chrome OS auf drei fix vorgegebene Fenstergrößen beschränkt. Auch die Integration zwischen den beiden Betriebssystemen soll noch weiter vorangetrieben werden.

    Hardwareverbesserungen

    Mit den Umbauten an der Software gehen aber auch Hardwareneuerungen einher: So versucht Google seine Partner dafür zu gewinnen, mehr Technologien in Chromebooks zu verbauen, die bisher eher im Smartphone- oder Tablet-Bereich zu finden waren. Dies reicht von Touchscreens bis zu einer Fülle an zusätzlichen Sensoren. Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie die neue Chromebook-Generation aussehen könnte, gab es erst vor einigen Wochen im Rahmen der CES. Stellte dort doch Samsung sein, in Kooperation mit Google entwickeltes, Chromebook Pro sowie das Chromebook Plus vor. Beide lassen sich neben der klassischen Tastatur- und Touchpad-Nutzung auch via Touchscreen oder Stift steuern. Hier handelt es sich um Tablet/Notebook-Hybride, bei denen natürlich der Android-Support von Haus aus mit dabei ist.

    foto: andreas proschofsky / standard
    Gerade der Android-Support soll Chromebooks zu größerer Popularität verhelfen.

    Zarte Anfänge

    Ob Googles ambitionierte Pläne aufgehen, muss sich natürlich erst zeigen. Faktum ist, dass Chromebooks im US-Consumer-Markt derzeit erst sechs Prozent aller verkauften Laptops ausmachen, wie IDC für 2016 vorrechnet. Zumindest ist die ein merkliches Wachstum gegenüber dem Vorjahr, als dieser Wert noch bei vier Prozent lag.

    Eine Frage des Ansehens

    Entscheidend wird dabei nicht zuletzt sein, ob Google es schafft, das Image als kostengünstige Windows-Alternative, die man lieber nur als Zweitgerät oder für weniger technikaffine Verwandte anschafft, abzulegen. Die besten Chancen könnte Google bei jenen Usern haben, die bereits mit Cloud-Services und Smartphones aufgewachsen sind, und nicht von Kindesbeinen an auf klassische Desktops getrimmt wurden, wie es bei älteren Generationen der Fall ist. Und nicht zu vergessen: Ein Teil davon hat zumindest in den USA nun bereits in der Schule Erfahrung mit Chromebooks gemacht.

    Zudem muss Google einen Weg finden Android- und Chrome-Entwickler dafür zu motivieren, ihre Apps für größere Displays und stärkere Hardware zu optimieren, etwas was bisher unter Android noch die absolute Ausnahme darstellt. Zumindest hat Adobe schon mal angekündigt die Apps für seiner Creative Cloud speziell für Chromebooks optimieren zu wollen. Das alleine wird freilich nicht reichen.

    Andromeda

    Abzuwarten bleibt zudem, welche Rolle die in den letzten Monaten immer wieder kolportierte Verschmelzung von Android und Chrome OS unter dem Codenamen "Andromeda" spielen wird. Vor einigen Monaten war zu hören, dass die ersten Rechner mit dem kombinierten System bereits im Herbst 2017 erscheinen sollen. Für die breite Masse könnte dies allerdings ohnehin ein Implementationsdetail bleiben, wichtig ist hier vor allem die Android-Kompatibilität, und die wird sicher erhalten bleiben.

    International

    Hinter all dem versteckt sich aber noch eine weitere Herausforderung: Google muss nämlich auch noch herausfinden, wie man es schafft Chrome OS international bekannter zu machen. Immerhin spielen Chromebook außerhalb der USA bisher kaum eine Rolle, was zum Teil auch an der vergleichsweise schlechten Verfügbarkeit liegen mag. (Andreas Proschofsky, 18.02.2017)

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