Andrew Cyrille und Bill Frisell: Situationselastisch

    23. Dezember 2016, 10:03
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    Der Schlagzeuger und der Gitarrist huldigen auf "The Declaration of Musical Independence"
    der freien Improvisation

    Schlagzeuger Andrew Cyrille hat lange mit Klavierenergetiker Cecil Taylor die Ekstatik freejazzig definiert. Auch Saxofonist David S. Ware, selbst dem Emphatischen zugeneigt, erfreute sich der Dienste des 1939 in New York geborenen Drummers wie auch Saxofonist Anthony Braxton und der (Traditionen sehr frei und hitzig interpretierende) Tenorsaxofonist David Murray. Damit ist der Hang zu offenen Formen, zum Zulassen und Befeuern spontaner Ideen bei Cyrille historisch belegt.

    Auf The Declaration of Musical Independence ist diese Offenheit – zusammen mit dem prägenden Gitarristen Bill Frisell – subtil hörbar: Cyrille trommelt nicht eitel drauflos, er ist nicht der Elefant im Raum. Er wirkt wie eine Stimme von vier gleichberechtigten, die an der Entstehung von atmosphärisch wolkigen, aber intensiven Episoden arbeiten. Pianist Richard Teitelbaum, Bassist Ben Street und Frisell erleben zwar mitunter eine perkussive Stückintroduktion durch den Bandleader.

    Letztlich aber herrscht demokratische Ausgewogenheit, also das Prinzip, individuellen Ausdruck in den Dienst einer Ganzheit zu stellen, ohne selbigen Ausdruck zu unterdrücken. Da ist Elektronisch-Schummriges zu hören, da sind "normale" Stücke (Teitelbaums Herky Jerky) oder kantable, kontemplative Ideen von Frisell (unter anderen Manfred) zugegen. Immer aber adelt Cyrille auch den liedhaften Charakter der jeweiligen von Frisell geprägten Situation. (toš, Rondo, 23.12.2016)


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