Berlin – Nach mehreren vertraulichen Gesprächen zwischen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem bayerischen CSU-Chef Horst Seehofer in der vergangenen Woche zeichnet sich einem Medienbericht zufolge ein Ende des monatelangen Streits zwischen den beiden Unionsparteien ab. Seehofer sprach von einer "erfreulichen Entwicklung" in der Beziehung zwischen CDU und CSU.

Aus seiner Sicht gebe es nun "große konkrete Schnittmengen", sagte er der "Bild am Sonntag". Nach Angaben des bayerischen Ministerpräsidenten streben beide Parteien "eine klare Begrenzung der Zuwanderung, eine Steuersenkung in zweistelliger Milliardenhöhe und weitere Verbesserungen bei den Rente an." Das müsse man jetzt weiterentwickeln und dann sehen, wie breit und tragfähig die gemeinsame Basis sei.

Flüchtlingsobergrenze als Bedingung

Noch vor wenigen Tagen hatte Seehofer in einem Zeitungsinterview die Einführung einer konkreten Obergrenze für Flüchtlinge als Bedingung für eine weitere Regierungsbeteiligung nach der Wahl 2017 genannt. Im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen" zeigte er sich nun bereit für weitere Auseinandersetzungen mit der CDU, deren Parteichefin Merkel eine Obergrenze strikt ablehnt.

Der bayerische Ministerpräsident kündigte zudem erste Schritte auf dem Weg der Versöhnung an. So sollen CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den CDU-Parteitag Anfang Dezember in Essen besuchen. Seehofer selbst hatte auf eine Teilnahme wegen des Streits mit Merkel verzichtet, die Kanzlerin war auch nicht zum CSU-Parteitag vor drei Wochen gekommen. Laut Seehofer ist es zudem "der ausdrückliche Wunsch von Angela Merkel", an der gemeinsamen Strategiesitzung der Union im Jänner in der Münchner CSU-Parteizentrale teilzunehmen. (APA, AFP, 27.11.2016)