Warschau – Dass ein polnischer Professor in einer Warschauer Straßenbahn attackiert und verletzt wurde, weil er Deutsch sprach, hat am Wochenende eine Welle der Empörung ausgelöst. Eine Vereinigung von in Deutschland lebenden Polen wandte sich mit einem Protestbrief an den polnischen Justizminister.

Aktivisten riefen dazu auf, als Zeichen des Protests in den Warschauer Straßenbahnen demonstrativ in anderen Sprachen zu sprechen. Internet-User veröffentlichten Augenzeugenberichte über andere Angriffe gegen Ausländer in Warschau, die sich zuletzt gehäuft haben sollen.

Von anderem Fahrgast geschlagen

Der renommierte Historiker Jerzy Kochanowski wurde in der Warschauer Straßenbahn von einem anderen Fahrgast geschlagen, weil er mit einem Kollegen aus Jena Deutsch gesprochen hatte. Nachdem eine Studentin darüber auf Facebook berichtet hatte, griffen auch die Medien den Fall auf.

In dem Brief, den der "Polnische Kongress in Deutschland" an Justizminister Zbigniew Ziobro adressierte, heißt es, der Angriff auf den Professor störe das polnisch-deutsche Verhältnis. So ein Ereignis füge aber auch allgemein dem Image Polens im Ausland schweren Schaden zu: "Das untergräbt die traditionelle polnische Gastfreundschaft", kritisierten die Autoren. (APA, 12.9.2016)