Rundschau: Was nach "Independence Day" geschah

    Ansichtssache25. Juni 2016, 13:07
    67 Postings

    Das Prequel des Sequels, Comics und neue SF-Romane von Brandon Sanderson, Jack McDevitt und Karla Schmidt

    Bild 12 von 12
    coverfoto: cross cult

    James L. Cambias: "Meer der Dunkelheit"

    Broschiert, 380 Seiten, € 18,60, Cross Cult 2016 (Original: "A Darkling Sea", 2014)

    Mittlerweile ins Deutsche übersetzt worden ist James L. Cambias' vielbeachtetes und beachtliches Debüt "A Darkling Sea" (hier der Link zur ausführlichen Rezension des Originals vom vergangenen Dezember). In einer wohlausgewogenen Mischung aus Hard SF und Social SF erzählt der US-amerikanische Autor darin vom Aufeinanderprallen dreier Zivilisationen auf einem ozeanischen Exomond.

    Da hätten wir zunächst die Einheimischen, die krebsähnlichen Ilmataraner, die in ihrem lichtlosen Welt technologisch auf Steinzeitniveau leben – deren wachen Geist man aber nicht unterschätzen sollte. Dann die ewig neugierigen Menschen, die auf dem Mond eine Forschungsstation eingerichtet haben. Und dann als zweite Aliensorte vor Ort die Sholen, die den Menschen vorerst noch um eine Nasenlänge voraus sind und es gar nicht gerne sehen, dass diese sich schon wieder auf einer neuen Welt eingenistet haben.

    Die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln

    Cambias braucht keine Bösewichte. So plausibel (weil nicht übermäßig avanciert) die von ihm beschriebene Unterwassertechnologie wirkt, so nachvollziehbar ist auch das Konfliktszenario, das sich in diesem Völkerdreieck alleine aufgrund entgegengesetzter Interessenlagen und unvermeidlicher Missverständnisse entspinnt. Bis im Meer der Dunkelheit schließlich ein kleiner, aber nichtsdestoweniger tragischer Krieg ausbricht.

    Der Roman ist abgeschlossen, es ließe sich aber jederzeit eine Fortsetzung darauf aufbauen – aus diesem Weltentwurf wäre noch jede Menge rauszuholen. Fürs Erste hat uns Cambias diesen Gefallen aber nicht getan: Sein zweiter Roman, "Corsair", ist bereits erschienen und verbleibt zuhause im Sonnensystem. Die Handlung ist in einer nahen Zukunft angesiedelt, in der mit dem Rohstoffabbau auf Asteroiden begonnen wurde – was zu einer etwas anderen Art von Weltraumpiraterie geführt hat, als man sie aus Swashbuckler-SF kennt.

    Und so geht es nach der EM weiter

    In der nächsten Rundschau könnten glatt – horribile dictu! – Vampire auftauchen; ist aber noch nicht sicher. Außerdem werden wir uns anschauen, wo es in der deutschsprachigen Science Fiction rechtsextreme Züge gibt. (Josefson, 25. 6. 2016)

    Share if you care.