"Sind fast Vegetarier geworden"

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    Fleisch per Versand? Warum eigentlich nicht? Vier Antworten darauf gibt Georg Einetter vom Fleischversand Porcella.

    STANDARD: Sie haben einen Fleischversand aufgesperrt in einer Zeit, in der vegane Kochbücher Bestseller werden. Warum?

    Gregor Einetter: Für uns sind das auch erste Zeichen des Umdenkens in Sachen Fleischkonsum und teilweise auch eine Unzufriedenheit mit dem bestehenden Angebot. So sind wir selbst auch fast Vegetarier geworden. Für uns war es sehr schwierig und mühsam, Fleisch zu beziehen, das wir selbst gerne essen. Deshalb haben wir Porcella gestartet.

    STANDARD: Wenn die Nachfrage vorhanden ist - warum sind dann trotzdem die kleinen Fleischer fast ausgestorben?

    Einetter: Einerseits möchten wir möglichst alles auf einmal praktisch im Supermarkt kaufen. Dann kommt aber vor allem auch hinzu, dass die Auflagen und Hygienebestimmungen für Fleischer, vor allem wenn man selbst schlachtet, sehr stark zugenommen haben. Man benötigt einen höheren Umsatz, um nötige Investitionen finanzieren zu können. Kleine Strukturen werden dadurch oft unrentabel und verdrängt.

    STANDARD: Wie könnte die Zukunft des Fleischers aussehen?

    Einetter: Wir glauben, dass gutes und nachhaltiges Fleisch nur in Zusammenarbeit entstehen kann. Neben dem Fleischer sind dabei Landwirte, Tiere und Natur wichtige Säulen und wesentliche Glieder in der Kette bis zum Konsumenten. Vor allem das Internet gibt uns neue Möglichkeiten, diese Teile zu verbinden. So können wir ohne Lager und damit ohne Wegwerfrisiko hunderte verschiedene Produkte anbieten, um so möglichst das ganze Tier zu verwerten. Der Zustellservice wird von vielen unserer Kunden als sehr praktisch empfunden und geschätzt.

    STANDARD: Berufsgruppen sterben ständig aus - es gibt kaum mehr Hufschmiede oder Köhler - wieso sollten die Fleischer vor diesem Schicksal gerettet werden?

    Einetter: Ich hab einmal irgendwo gehört, dass man den eigenen Fleischer am besten beim Vornamen kennen sollte. Schlussendlich vertraut man darauf, dass er einem die gewünschte Qualität liefert und das Tier bestmöglich behandelt. Wir sehen im Fleischer ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen Landwirten und Konsumenten. Das Handwerk des Fleischers ist für das Schlachten, Zerlegen, Reifen, Herstellen von Produkten und damit für die Qualität unverzichtbar. Der Beruf des Fleischers ist angesichts des wachsenden Fleischkonsums und der Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit Fleisch so aktuell wie eh und je. (Tobias Müller, Rondo, 22.5.2015)

    Gregor Einetter gründete 2013 gemeinsam mit Miriam Strobach und dem Fleischer Roman Schober den Fleischversand Porcella.

    Zum Artikel Eine Frage des Vertrauens

    • Gregor Einetter gründete den Fleischversand Porcella.
      foto: porcella

      Gregor Einetter gründete den Fleischversand Porcella.

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