Altersstudie: Hochbetagte sind sehr heterogene Gruppe

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    Eine Studie präsentiert erstmals umfassende Erhebungen über Gesundheit, Lebensgestaltung und Betreuung in Altersgruppe 80 bis 85 Jahren. Knapp die Hälfte ist gebrechlich

    Wien – Hochbetagte Menschen sind in Österreich eine heterogene Gruppe. Knapp die Hälfte ist gebrechlich, die andere Hälfte bezeichnet ihren Gesundheitszustand als "gut" bis "sehr gut". Mehr als 80 Prozent zeigen aber bereits kognitive Leistungsstörungen. Das geht aus der ersten umfassenden Erhebung zum Thema "Gesundheit, Lebensgestaltung und Betreuung" in der Altersgruppe der 80- bis 85-Jährigen hervor.

    Die Studie mit 410 Probanden (260 aus Wien, 150 aus der Steiermark) von der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA) durchgeführt. Finanzierungs- und Projektpartner waren das Gesundheits- und das Sozialministerium, die Steiermark sowie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Die Informationen wurden im Rahmen von standardisierten Befragungen und Tests in quantitative rund qualitativer Hinsicht erhoben.

    "Heute sind ca. fünf Prozent der europäischen Gesamtbevölkerung 80 Jahre und älter; im Jahre 2050 werden dies elf Prozent sein. Diese Veränderungen werden nicht ohne Folgen für unsere Gesellschaft bleiben", heißt es in der Einleitung zur Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS) mit erfolgter Datenerhebung zwischen Anfang 2013 und Mitte 2014.

    Große Gruppe mit gutem Gesundheitszustand

    Es gibt eine "auffällige Heterogenität bei der Betroffenheit durch altersbedingte Einschränkungen" und eine zunehmende Differenzierung im hohen Alter. Relativ groß ist die Gruppe der Menschen mit gutem Gesundheitszustand und autonomer Lebensführung. Ein Alter von "80plus" bedeutet in Österreich noch lange nicht, dass das Leben von Defiziten in physischer, psychischer oder sozialer Hinsicht dominiert wird. Immerhin sind 79,2 Prozent der Befragten mit ihrer Lebenssituation zufrieden. "Hohes Alter wird häufig mit gesundheitlichen Einschränkungen, kognitiven Defiziten und Einsamkeit assoziiert", sagt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser: "Diese negativen gesellschaftlichen Altersbilder der Lebenssituation vieler hochaltriger Menschen nicht oder nur im geringen Umfang entsprechen."

    In Sachen Gesundheit gibt es relativ gutes Bild. 54,4 Prozent der 80- bis 85-Jährigen weisen einen guten Gesundheitszustand auf. Einen relativ labilen Allgemeinzustand mit funktionalen Einschränkungen haben 36,3 Prozent. Als gebrechlich mit gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen sind 9,3 Prozent zu betrachten. Allerdings sind zwischen 80 und 85 Jahren bereits 92,4 Prozent der Menschen von zumindest einer chronischen Krankheit betroffen. An der Spitze ist da der Bluthochdruck mit 53,4 Prozent. 18,8 Prozent der Probanden gaben an krebskrank zu sein oder es gewesen zu sein.

    Uneingeschränkte Fortbewegung

    65,6 Prozent der Befragten können sich innerhalb ihres Wohnortes selbstständig und uneingeschränkt fortbewegen. 82 Prozent wiesen im Gangtest eine "normale" Geschwindigkeit auf. "In Übereinstimmung mit den Ergebnissen zur Mobilität ergibt sich, insgesamt betrachtet, ein vergleichsweise hoher Grad an Selbsthilfefähigkeit im Hinblick auf alltägliche Verrichtungen", heißt es dem Report. 91,2 Prozent können sich selbstständig anziehen, 85,6 Prozent mindestens zehn Stiegen steigen, 76,6 Prozent Einkaufen gehen. Insgesamt nur 30 Prozent der Probanden in Privathaushalten gaben an, im Alltag auf Unterstützung angewiesen zu sein.

    Schlechter sieht es offenbar mit den kognitiven Fähigkeiten der Österreicher zwischen 80 und 85 aus. "Nur 15,5 Prozent der Teilnehmer haben den kognitiven Test fehlerfrei absolviert", stellen die Autoren fest. Leichte Defizite zeigten 31,8 Prozent, auffällige Ergebnisse 32,6 und sehr auffällige Resultate 20,1 Prozent. Männer waren besser im sogenannten Uhrentest (Ziffernblatt zeichnen und eine Uhrzeit einzeichnen), Frauen besser im Drei-Worte-Merktest.

    2,4 Prozent fühlen sich Einsam

    Sehr unterschiedlich waren die Ergebnisse bei der Häufigkeit des Gefühls von Einsamkeit. 2,4 Prozent fühlen sich immer einsam, 9,3 Prozent immerhin oft (manchmal: 14,4 Prozent). Selten einsam sind 10,7 Prozent und überhaupt nie 62,2 Prozent. Männer fühlen sich zu 9,4 Prozent oft oder immer einsam, Frauen hingegen zu 13,6 Prozent.

    Im Alter oft in Verbindung zum Gefühl der Einsamkeit noch hinzu kommend sind depressive Stimmungen. 11,5 Prozent der Befragten fühlen sich häufig deprimiert. Selten oder nie glücklich fühlen sich 22,4 Prozent, oft oder immer traurig 14,6 Prozent. Mit 6,7 Prozent von an depressiven Stimmungen leidenden Personen waren die in Privathaushalten Lebenden deutlich seltener vertreten als Menschen in Seniorenwohnheimen etc. (17,9 Prozent) oder in Pflegeheimen (38,4 Prozent). 55,2 Prozent der Befragten in Privathaushalten leben allein.

    Heterogenes Sozialleben

    Bei der liebsten Alltagsgestaltung schneidet das Fernsehen als häufigste Aktivität (95,8 Prozent) am besten ab. Dann folgen Lesen (83,4 Prozent), regelmäßige Besuche anderer oder durch andere Menschen (77,3 Prozent) und Spaziergänge (60 Prozent). 48 Prozent gaben an, Kunst- und Kulturveranstaltungen zu besuchen. Für 31 Prozent spielen Zärtlichkeit und Sexualität eine große Rolle. "Diese Lebensphase ist durch eine große Vielfalt der Lebenskonzepte und Alltagsgestaltungen gekennzeichnet ist, die in Zukunft auch noch zunehmen wird", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

    Während im Alter von 80 bis 85 Jahren 88,3 Prozent der Österreicher Nichtraucher sind, trinken 17,8 Prozent der Frauen und 32,9 Prozent der Männer täglich oder fast täglich Alkohol. (APA, red, 6.5.2015)

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