Rundschau: Die besten SF-Bücher des Jahres 2014

    Ansichtssache24. Jänner 2015, 15:37
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    Das Science-Fiction-Jahr 2014 im Schnelldurchlauf: Bemerkenswertes von Planet der A wie Affen bis Z wie Zeitschleifen

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    coverfotos: cross cult

    Das große Primatenpaket

    Pierre Boulle: "Planet der Affen". Broschiert, 240 Seiten, € 13,20 (Original: "La planète des singes", 1963) / Greg Keyes: "Planet der Affen: Revolution. Feuersturm". Broschiert, 360 Seiten, € 13,20 (Original: "Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm", 2014) / Daryl Gregory, Carlos Magno & Diego Barreto: "Die Chroniken von Mak". Graphic Novel, gebundene Ausgabe, 448 Seiten, € 41,00 (Original: "Planet of the Apes"-Reihe von Boom! Studios, 2011-2013), alle Cross Cult 2014

    Schlusstwists. Der erste "Planet der Affen"-Film aus dem Jahr 1968 hatte einen, der in die Geschichte einging. Tim Burtons Version von 2001 hatte einen, den der gesamte Planet der Menschen blöd fand. Und Pierre Boulles Roman "La Planète des singes" aus dem Jahr 1963, auf dem beide Filme mehr oder weniger lose basieren ... der hatte gleich zwei: Einen, der dem von Burton ähnelt (mit dem entscheidenden Unterschied, dass er im Roman Sinn ergibt). Unmittelbar gefolgt von einem zweiten, noch besseren. Der ist nur leider kaum verfilmbar.

    Nachdem ein Beitrag in Heynes "Science Fiction Jahr" ausschließlich dem cineastischen Teil des Affen-Franchises gewidmet war, bietet es sich vielleicht an, darauf hinzuweisen, dass auch auf dem Buchmarkt einiges los war. Zu verdanken ist dies dem Comic-Verlag Cross Cult, der uns 2014 das große Rundum-glücklich-Primatenpaket schnürte. Mit dabei auch ein Neuausgabe von Boulles satirischem Originalroman, den man alleine schon deshalb lesen sollte, um ihn mit den Filmen vergleichen zu können. Hier trägt Affe noch Hut!

    Die Zwischengeschichte

    "Feuersturm", der andere nicht-graphische Titel, ist das Prequel zum Sequel des Prequels, also handlungsmäßig zwischen "Rise ..." und "Dawn of the Planet of the Apes" im rebooteten "Affen"-Universum angesiedelt. Zur Erinnerung: Caesar hat sich gerade mit seiner - etwas unwahrscheinlich großen - Horde aus Labor- und Zooaffen in die Mammutbaumwälder nahe San Francisco zurückgezogen. Währenddessen beginnt sich draußen in der Welt die gentechnisch veränderte Grippevariante auszubreiten, die den größten Teil der Menschheit dahinraffen wird.

    Als Autor hat das Franchise Greg Keyes verpflichtet, der zuvor schon unter anderem "Star Wars"- und "Babylon 5"-Romane verfasst hat, also über entsprechende Erfahrung verfügt. In der Anfangszeit der Rundschau war er hier mit seiner opulenten "Bund der Alchemisten"-Tetralogie vertreten. Man konnte also zumindest eine solide Leistung erwarten, und genau das bekommt man mit "Feuersturm" auch: einen klassischen Pandemie-Thriller, der durchaus für sich allein stehen könnte.

    Das Verhängnis nimmt seinen Lauf

    Der Roman beginnt mit einem netten Gag: nämlich einem Bigfoot-Sucher, der im Wald plötzlich viel mehr haarige Zweibeiner vors Objektiv bekommt, als er sich das jemals erträumt hätte. Danach wird es aber sofort ernster. Die Handlung folgt im Wesentlichen zwei Strängen: Der erste dreht sich um die Primatologin Clancy Stoppard und den Ex-Söldner Malakai Youmans, die einen bewaffneten Trupp in die Wälder begleiten. Ihr Auftrag, die geflohenen Affen wieder einzufangen, wird jedoch ein ums andere Mal durch Caesars strategisches Geschick zunichtegemacht.

    Im Mittelpunkt von Handlungsstrang 2 steht die Ärztin Talia Korsar, die hilflos mitansehen muss, wie sich die tödliche Seuche immer weiter ausbreitet. Wie gesagt: "Feuersturm" ist ein Pandemie-Thriller, was auch bedeutet, dass man sein Herz nicht zu sehr an die menschlichen Hauptfiguren hängen sollte - sonst wird man am Schluss wohl zur Packung mit den Taschentüchern greifen müssen. Wir wissen ja, wie das alles enden wird. Immerhin: Mit Ex-Polizeichef Dreyfus (=Gary Oldman) spielt jemand mit, von dem wir wissen, dass er überleben wird. Will Rodman (James Franco) taucht übrigens nur kurz in einem Flashback auf; sein genaues Schicksal sollte offenbar vorerst nicht angetastet werden.

    Apropos Flashbacks: Keyes reiht die Gegenwartshandlung entlang einiger Rückblickskapitel auf, in denen das qualvolle Leben eines als Versuchstier missbrauchten Menschenaffen geschildert wird - gewissermaßen als soziologisches Unterfutter für die spätere Revolution. Interessanterweise wählte er dafür Koba - ist mir in den Filmen gar nicht bewusst geworden, dass der mörderische Psychopath ein Bonobo sein soll! Das nenne ich mal wider das Klischee gecastet. Kobas Leidensgeschichte weckt durchaus Verständnis für den Finsterling. Und was Caesar anbelangt: Der ist mir viel sympathischer, wenn ich nicht dauernd den heutzutage anscheinend unentrinnbaren Andy Serkis vor mir sehen muss. Alles in allem: gar nicht so schlecht.

    --> Zu den "Chroniken von Mak"

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