Sand, Sand und nochmal Sand.

Iquique - Matthias Walkner hat am Ruhetag im Biwak in Iquique wieder die nötige Motivation für die zweite Woche des Rallye-Abenteuers in Südamerika gefunden. "Gestern nach der Zieleinfahrt, hab' ich den Hut drauf gehauen. Da war's aus, ich war leer und alles vorbei. Allerdings hat sich das sehr schnell wieder gelegt", betonte der Dakar-Debütant am Samstag.

Walkner hatte am Vortag durch technische Probleme an seiner KTM mehr als drei Stunden verloren und war dadurch auf den 33. Gesamtrang zurückgefallen. "Durch den Zwischenfall am Freitag hab' ich die Dakar von hinten kennengelernt und unglaubliche Sachen erlebt. Im hinteren Teil des Feldes fahren Motorräder, Quads, Autos und Lkw kreuz und quer durch die Gegend. Da siehst du Lkw, die hoffnungslos vergraben sind und die Mannschaft rundherum buddelt", berichtete Walkner.

Notruf absetzen und schrauben

Auch die Kameradschaft der Teilnehmer habe ihn beeindruckt. "Einem Motorradfahrer hab' ich aufgeholfen, der lag am Boden mit gebrochenem Arm. Ich hab' den Notruf gesetzt, damit er abgeholt wird. Ein anderes Mal war ich gerade am Schrauben, als ein Motorradfahrer stehen blieb und mir ohne zu überlegen geholfen hat. Er hat das gern gemacht, schließlich fährt er nicht um den Sieg mit, sondern um dabei zu sein. Genial", betonte der 28-Jährige.

Walkner hat dagegen schon einen Etappensieg gefeiert. "Ich war schon am ersten Tag von meinem siebenten Platz überrascht, dann Sechster und der Sieg am dritten Tag war das Höchste! Die Leute im Fahrerlager kommen her und klopfen dir auf die Schulter, die Anerkennung ist enorm und du bist an diesem Tag der 'Talk of Town'", erinnerte der KTM-Pilot.

Herausforderung Navigation

Probleme bereitet Walkner vor allem das eigenständige Navigieren. "Mit dem gestrigen Tag hab' ich abgeschlossen. Am meisten ärgert mich der Tag davor. Da bin ich als Erster los und hab' mich total verfahren und Zeit verloren. Navigieren in der offenen Wüste ist das große Thema - auch für die Zukunft. Das muss man ins Gefühl bekommen, deswegen will ich sobald als möglich nach der Dakar wieder nach Tunesien oder Marokko", kündigte Walkner an.

Für KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner hat Walkner bisher "die Erwartungen mehr als erfüllt". "Gestern (Freitag, Anm.) war Matthias fertig mit dem Rallye-Sport und wollte alles hinschmeißen. Doch das war nach einer halben Stunde wieder vorbei. Heute ist Matthias wieder ganz der Alte und voll motiviert. Von meiner Seite aus liegt Matthias voll im Plan", lobte der 54-jährige Tiroler die Leistung des ehemaligen Motocross-Weltmeisters in der MX3-Klasse. Diese Erfahrungen vom total verpatzten Freitag sind laut Kinigadner "für Matthias genauso wichtig, wie seine Fähigkeiten, Etappen zu gewinnen".

KTM-Spitzenfahrer und Titelverteidiger Marc Coma, der die Dakar schon viermal (2006, 2009, 2011 und 2014) gewonnen hat, sagte, dass Walkner auf Schotter "wohl der Schnellste im Feld" sei. "Doch die Dakar hat viele Gesichter, und wenn es in die offene Wüste geht, mit tausenden Spuren und unglaublich schwieriger Navigation - da ist Matthias wirklich ein Dakar-Neuling. Es wäre eine Überraschung, wenn er hier kein Lehrgeld hätte zahlen müssen", betonte Kinigadner, der vor Walkner im Jahr 2000 für den bisher letzten rot-weiß-roten Dakar-Etappensieg bei den Motorrädern gesorgt hatte. (APA, 10.1.2015)