Wien - "Diese Konferenz kommt zur richtigen Zeit und am richtigen Ort." Bundespräsident Heinz Fischer meinte damit Österreich, als er am Montag in der Wiener UNO-City vor den Teilnehmern der zweiten internationale Konferenz zu Binnenentwicklungsländern sprach, die kurz zuvor von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eröffnet worden war.

Mehr als 1.000 Teilnehmer

Die dreitägige Konferenz ist laut Außenministerium die größte in Wien stattfindende UNO-Konferenz seit zehn Jahren mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus über 90 Ländern. Sie beschäftigt sich mit den Problemen, die sich für die weltweit 32 Binnenentwicklungsländer (Landlocked Developing Countries, LLDC) durch ihren erschwertem Zugang zu internationalen Märkten ergeben. In Wien soll ein für die nächsten zehn Jahre gültiges Aktionsprogramm ("Vienna Plan of Action") beschlossen werden.

Fischer verwies darauf, dass Österreich, 1918 selbst zum Binnenland geworden und mit großen Zweifeln an seiner Überlebensfähigkeit konfrontiert, mittlerweile ein stabiles, unabhängiges und prosperierendes Land sei und hob in diesem Zusammenhang die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und dem gemeinsamen Markt hervor. Wenn dieses Modell auch nicht für alle LLDC als Modell gelten werden könne, "so beinhaltet es doch eine wichtige Lektion: Binnenentwicklungsländer brauchen Partner und Kooperation", meinte der Bundespräsident. "Sie müssen aktiv die regionale Zusammenarbeit suchen, viele Probleme sollten dadurch leicht zu bewältigen sein."

Solidarität mit Binnenentwicklungsländern

Der UNO-Generalsekretär Ban erinnerte an die erste LLDC-Konferenz vor elf Jahren im kasachischen Almaty. Seither seien Fortschritte gemacht worden, letztlich litten die LLDC aber nach wie vor an hohen Transport- und teuren Importkosten. "Diese Konferenz kann den Weg vorwärtsweisen", meinte Ban. Die Binnenentwicklungsländer bräuchten Solidarität, Zusammenarbeit und Integration in den globalen Handel. "Auf dieser Konferenz geht es nicht um Verhandlungen und Dokumente - es geht darum, Menschenleben zu verändern."

Kurz ist Präsident der Konferenz

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wurde von den Konferenzteilnehmern zum Präsidenten der dreitägigen Konferenz gewählt und übernahm den Vorsitz von Ban. Er erinnerte die Delegierten daran, "das ich mit der Hälfte aller Menschen in LLDC eine Eigenschaft teile: Wir sind unter 30 Jahre alt! Aber während Österreicher meines Alters in eine erfreuliche Zukunft voller Möglichkeiten blicken können, haben die meisten jungen Menschen in Binnenentwicklungsländern nicht die Möglichkeit, ihre Hoffnungen und Erwartungen an das Leben zu realisieren."

Auch Kurz verwies auf Fortschritte seit der ersten LLDC-Konferenz, "aber enorme Herausforderungen liegen noch vor uns". Er verwies darauf, dass im Jahr 2010 das Handelsvolumen von LLDC nur 61 Prozent von Küstenstaaten ausmachte, wogegen ihre Transportkosten 45 Prozent über jenen von Ländern mit Zugang zum Meer lagen.

"Daher ist es wichtig, dass wir nicht nur unsere Verpflichtung gegenüber Binnenentwicklungsländern bekräftigen", forderte Kurz, "unser Ziel muss sein, hier in Wien ein neues Aktionsprogramm mit klaren Prioritäten und einem konkreten Zeitplan zu beschließen, das die Interessen der verletzlichsten Ökonomien in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit und Aktivität rückt." (APA, 3.11.2014)