Vor 50 Jahren hob der Kranich wieder ab

8. April 2005, 19:48
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Am 1. April feiert die Lufthansa ihr erstes halbes Jahrhundert. Seit ihrer Wiedergeburt hat sich die deutsche Airline zu einem Global Player emporgeschwungen

Frankfurt/Hamburg - Wenn am 1. April um sieben Uhr morgens mit einem in historischen Lufthansa-Farben bemalten Airbus A321 der Jubiläumsflug von Hamburg über Köln und Frankfurt nach München abhebt, so wird bei den Ehrengästen an Bord die Nostalgie dominieren. Denn am selben Tag, vor 50 Jahren, nahm die Deutsche Lufthansa mit einer Propellermaschine vom Typ Convair 340 auf dieser Route den Linienverkehr wieder auf. In Bayern startete eine Stunde später eine Maschine in entgegengesetzter Richtung. An allen Flughäfen wurde das Ereignis mit Empfängen und Ansprachen gewürdigt. Dasselbe passiert auch diese Woche, ja sogar ein Staatsakt wurde in Bayern angesagt.

Wiedergeburt

Eigentlich feiert Lufthansa ihre Wiedergeburt. Gegründet wurde sie erstmals 1926. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der endgültigen Auflösung wurde zunächst mit vier innerdeutschen Strecken begonnen. Doch das Streckennetz wuchs rasant.

Noch 1955 kamen weitere Ziele in Europa und den USA hinzu, 1956 Flüge nach Südamerika. Der erste Jet, eine Boeing 707, stoß 1960 zur Flotte, 1970 setzte Lufthansa erstmals den Boeing 747 Jumbo auf der Route nach New York ein. Der nächste technische Meilenstein wird 2007 gefeiert - die Einführung des Airbus A380, des künftig größten Verkehrsflugzeugs der Welt.

Die heutige Lufthansa ist finanziell stark, gibt sich innovativ und ist als globaler Carrier mit moderner Flotte und einem straffen Management gut aufgestellt. Das war nicht immer so. Lufthansa hat massive Turbulenzen hinter sich. Etwa in den 90er-Jahren, als Golfkrise und Golfkrieg die Lufthansa an den Rand des Ruins brachte. Die Deregulierung des europäischen Luftverkehrs, hohe Kosten und eine niedrige Produktivität taten ihr Übriges. 1991 wurden 444 Millionen Mark Verlust eingeflogen, ein Jahr später 735 Millionen Mark. Der 1991 bestellte Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber reagierte mit rigorosen Maßnahmen, die neben Entlassungen auch in einer zwölfmonatigen Lohnpause gipfelten. 1993 zeigte das Programm Wirkung, Lufthansa begann ihren Weg zurück in die Gewinnzone.

Selbstbewusst unterwegs

Heute ist die deutsche Airline, Gründungsmitglied der Star Alliance, selbstbewusst unterwegs. Das zeigt nicht nur die jüngste Übernahme der Schweizer Fluglinie Swiss. Auch bei der Einführung von Innovationen, sei es der weltweit erste Breitband-Internetservice an Bord eines Flugzeuges oder spezielle First-Class-Terminals, gilt Lufthansa heute als tonangebend in der Industrie. Selbst bei Billigfliegen war die Lufthansa früh dabei: 1963 wurde ein "Airbus"-Dienst auf innerdeutschen Strecken eingeführt, ohne Verpflegung und mit vergünstigten Tickets. Bis 1970 wurde dieser Flugpendeldienst angeboten. Heute wird ein vergleichbarer Dienst beim Lufthansa-Ableger Germanwings als "Point-to-Point-Traffic" tituliert.

Im Sommerflugplan 2005 werden mit 377 Flugzeugen 12.700 wöchentliche Flüge zu 177 Zielen in 73 Ländern durchgeführt. Im ersten Betriebsjahr 1955 wurden 74.070 Fluggäste befördert, 2004 erstmals über 50 Millionen und, trotz schwierigen Umfelds in der Luftfahrt, ein Konzerngewinn von 404 Mio. Euro eingeflogen. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.3.2005)

  • Am 1. April 1955 wurde mit dem Flug einer Convair CV-340 von Hamburg über Düsseldorf und Frankfurt nach München die Wiedergeburt der Lufthansa nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. 2004 wurden erstmals über 50 Millionen Passagiere befördert.
    foto: lufthansa

    Am 1. April 1955 wurde mit dem Flug einer Convair CV-340 von Hamburg über Düsseldorf und Frankfurt nach München die Wiedergeburt der Lufthansa nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. 2004 wurden erstmals über 50 Millionen Passagiere befördert.

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