Ertrag - und keine Koboldschätze

1. April 2005, 20:35
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Die Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen ist der Schlüssel zum Anlageerfolg. Hinter diesem Plan steckt viel Arbeit - aber erst danach sollten Produkte gekauft werden

"Die Börsengewinne sind Koboldschätze: Bald sind sie Karfunkelsteine, bald Kohlen, bald Diamanten, bald Kiesel, bald Morgentau, bald Tränen", zitiert die deutsche Deka Bank den spanisch-niederländischen Philosophen und Spekulanten José de la Vega (1688) zum Thema der Risiken der Geldanlage.

Das Übel sei, so die Bank weiter, dass die meisten Anleger dem jeweiligen Trend folgen würden. Also: In der Hausse kaufen, in der Baisse verkaufen. Da sich die Finanzindustrie in ihren neuen Produkten auch nach der Mode richtet, verstärken sich die Trends noch einmal. Im Kurstal verkaufen die Anleger dann und bleiben weit gehend abstinent, womit sie Kaufgelegenheiten verpassen und auf Verlusten sitzen bleiben.

Prozyklisches Handeln

"Prozyklisches Handeln" heißt das im Finanzdeutsch. Vermutlich entspringt es der Hoffnung, doch endlich den großen Gewinn zu machen, bei den Siegern mit dabei zu sein.

Dass es für die große Mehrheit nicht funktioniert, scheint am Gefangensein zwischen Gier und Angst nichts zu ändern: Was auf der einen Seite verdient wird, wird auf der anderen Seite verloren - oder die Kosten eines ständigen Hin und Her zwischen Anlageklassen und Produkten fressen den erzielten Gewinn auf ein durchschnittliches Ertragsniveau zusammen - das wurde dann allerdings mit einer Menge schlafloser Nächte erkauft.

Mit solchen Strategien bleiben die wahren Gewinner die Banken, sie verdienen an den Gebühren der Positionswechsel und als Stillhalter bei Termingeschäften. Die psychologische Erklärung für diese Anlagefehler dürfte die Tendenz zur Selbstüberschätzung der Anleger sein. Direkter Zugang zu vermeintlichen Insiderinformationen (Börsenbriefe und Websites) trägt wohl auch dazu bei.

Schimpanse Ola als Sieger der Analysten

Dass das Befolgen von Tipps auch nicht der richtige Weg zur nachhaltig ertragreichen Anlage ist, hat der Schimpanse Ola vorgemacht: Er ist gegen drei Analysten angetreten und hat sie mit seiner Aktienauswahl geschlagen. Ola war auf Dart-Pfeilwerfen trainiert und hat mit seinen Würfen auf Titel aus dem Kursteil des Wall Street Journal gewinnträchtigere Papiere getroffen als die Analysten.

"Risikostreuung durch Vermögensoptimierung" lautet die Strategie, die zwar auch nicht als Königsweg in der Geldanlage gepriesen werden kann, dem aber sehr nahe kommt.

Adäquate Verteilung

Die wesentlichste Erkenntnis dabei ist, dass der Anlageerfolg zu über 90 Prozent auf der adäquaten Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen (Asset-Allocation) beruht . Die Aufteilung der Anlagesumme auf Aktien, Renten, Immobilien, Cash, alternative Investments, Schiffsbeteiligungen, Immobilien bringt Performance. Nicht der Kaufzeitpunkt oder Verkaufszeitpunkt.

Nobelpreisträger Harry Markowitz konnte nachweisen, dass die systematische Diversifikation, die Streuung der Anlagesumme über Anlageobjekte, die sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln, das Risiko des Gesamtportfolios reduzieren.

Geld von der Emotion trennen

Erste Lehre für Private daraus: Der Produktkauf ist erst der letzte Schritt der Geldanlage. Zuerst geht es darum, einmal nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Und das Geld von der Emotion zu trennen.

Dann werden die Anlageziele definiert (Altersvorsorge, Anschaffungen, Versorgung der Kinder). Dann werden Ertragswünsche und Risikobereitschaft (Verlusttoleranz) erhoben. Damit grenzt sich das Universum der Anlageklassen und Produkte, die überhaupt infrage kommen, schon einmal ein. Eine Biotech-Aktie wird für Anleger, die Schwankungen von mehr als drei Prozent nicht ertragen wollen, dann eben nicht infrage kommen.

Mehr Ertragschance heißt immer höheres Risiko

Der nächste Merksatz: Mehr Ertragschance heißt immer höheres Risiko. Die Märkte und die Finanzindustrie schenken nichts her. Wunder gibt es nicht. Für durchschnittliche Anleger bedeutet das wohl, dass sie mit einem nachhaltigen jährlichen Ertrag von Wirtschaftswachstum plus Inflation rechnen sollten. Bleibt mehr, ist es gut. Soll deutlich mehr bleiben, dann sind die Verlustgefahren größer.

Sich bei Profis einer Beratung zu unterziehen ist für diese Basisstruktur gut. Es geht ja einerseits um das möglichst vollständige Ausschalten blinder Flecken und um Vorschläge zur Asset-llocation. Fragebögenausfüllen und Besprechen dauert zwar ein paar Stunden, lohnt sich aber. Zudem gibt eine daraus entstandene Matrix die beste Orientierungshilfe für die Produktauswahl - den krönenden Schlussstein.

Was dann im Einkaufswagen liegt, kann natürlich auch dynamisch angepasst werden. Kaufen und Halten ist zwar eine gute Strategie, aber auch Rockefeller hat Aktien verkauft, wenn sie mehr als sieben Prozent gefallen sind.

Wer nicht spontan, emotional oder modisch getrieben Produkte zusammenkauft, sondern sich die adäquate Asset-Allocation überlegt, hat sich jedenfalls die besten Chancen eingeräumt, nicht auf einem Korb voller Koboldschätze zu sitzen:

  • Die Marktbewegung unterschiedlicher Anlageklassen gleichen sich umso mehr aus, je weniger diese miteinander verbunden sind.
  • Klumpenrisiken werden so vermieden.
  • Die Kombination verschiedener Produkte innerhalb einer strukturierten Anlage verringern die Schwankungen des Gesamtportfolios.
  • Unvorhergesehene Ereignisse und Einbrüche an den Börsen wirken sich so nur abgemildert aus. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.03.2005)
    • Infografik: Die Entscheidungspyramide
      grafik: der standard

      Infografik: Die Entscheidungspyramide

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