Crash-Tests mit Leichen an TU Graz

26. März 2005, 09:39
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Zwanzig Leichen wurden bereits für Schleudertests verwendet - Ansuchen auf weitere Leichen läuft - Ethikkommission ist nicht zuständig

Graz - Die Technische Universität Graz hat Crash-Tests mit Leichen an der Medizinuniversität Graz in Auftrag gegeben.

Bereits seit Mitte der 1990er Jahre bis zum Jahr 2003 wurden im Gerichtsmedizinischen Institut "um die 20" Leichen herangezogen, bestätigte am Donnerstagabend Hermann Steffan, der Leiter des Institutes für Fahrzeugsicherheit,´einen entsprechenden Bericht des ORF Landesstudios Steiermark.

Ansuchen um weitere Leichen für Schleudertests

Ein Ansuchen auf die Freigabe von fünf weiteren Verstorbenen, mit denen Bewegungsversuche zur Entwicklung von Crash-Test-Dummies durchgeführt werden, sei in der Ethikkommission der Medizinuniversität in Arbeit.

Bewegungsstudien

Die Leichen, bzw. so genannten PMHS (Post mortem human objects) wurden laut Steffan bisher für kinematische Bewegungsstudien verwendet. Dabei hat man die Toten in die Fahrzeuganlagen gesetzt und sie mit 10 bis 15 km/h Geschwindigkeit auffahren lassen. "Es wurde beobachtet, wie die Bewegungen von Kopf und Hals sind", schilderte Steffan.

Suche nach optimalem Schutz

"Es geht grundsätzlich um die Verhinderung des Schleudertraumas mit Hilfe der Konstruktion von Crash-Test-Dummies. Diese werden dann zu weiteren Fahrzeugtests eingesetzt, um beispielsweise Sitze so zu bauen, dass sie optimal vor solchen Verletzungen schützen. Wenn es um die Entwicklung dieser Dummies geht, gibt es keine andere Möglichkeit, als auf den Menschen zurückzugreifen", begründet der Grazer Biomechaniker die Verwendung von Leichen.

Internationale Richtlinien

Die letzten Versuche habe man vor rund eineinhalb Jahren im Zuge eines EU-Projektes gemacht. Für die erste Testreihe sei allerdings nicht die Ethikkommission der damaligen medizinischen Fakultät befasst gewesen, sondern man habe sich nach den internationalen Richtlinien des Waynestate-Protokolls für PMHS-Test gehalten. Diesmal - es geht um die Verlängerung des EU-Projektes, in dem die Dummies evaluiert werden sollen - wollte man sich den Bedingungen des neuen Projektpartner Medizinische Universität stellen und habe die Ethikkommission zu Rate gezogen.

Ethikkommission ist nicht zuständig

Mit der Frage, ob Tote für ein Forschungsprojekt des Instituts für Fahrzeugtechnik an der TU Graz herhalten sollen, beschäftigt sich die Ethikkommission der Medizinischen Universität Graz schon seit geraumer Zeit. Allerdings: Sie ist dafür nicht wirklich zuständig. "Wir können uns mit ethischen Aspekten im Umgang mit Leichen beschäftigen und eine Empfehlung abgeben, bindend ist diese allerdings nicht", so Peter Rehak, der Leiter der Ethikkommission der Medizinischen Universität in Graz.

Ethikkommission prüft

Diese hat nunmehr beschlossen, ein Rechtsgutachten einzuholen. "Es ist das erste Mal, dass ein Antrag dieser Art an die Kommission herangetragen wird", so Birgit Jauk aus dem Rektorat der Universität. Beide Vorsitzenden der Kommission waren am Donnerstagabend nach Angaben der Universität auf Dienstreise im Ausland und für die APA nicht erreichbar. Eine Entscheidung des Gutachters werde für Mitte April erwartet, hieß es.

Tests werden nicht gestoppt

Sollte es kein "Ja" von Seiten der Ethikkommission geben, werde das Projekt nicht abgebrochen: "Dann müssen die Versuche an einem anderen Institut gemacht werden", hielt Steffan fest. (APA)

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