Studien belegen Sinnlosigkeit des Urheberrechtsschutzes

18. April 2005, 20:33
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Künstler können von der – auch illegalen - Verbreitung ihrer Werke mehr profitieren als von ihren Gewinnen als Urheber – neue empirische Studien zum Thema

Die Musikindustrie und Medienunternehmen im allgemeinen argumentieren, das jedes illegal heruntergeladene File von den User nicht mehr gekauft werde und daher einen Verlust für die Künstler darstelle. Natürlich kann aber auch die Meinung vertreten werden, dass digitale Werke durch einen höheren Bekanntheitsgrad an Gebrauchswert gewinnen, selbst wenn diese aus illegalen Quellen stammen.

Neue Studien

Dabei kann Copyright- und Kopierschutz den Medienunternehmen noch Vorteile bringen, gerade Künstler haben aber die Möglichkeit von der ungehinderten Verbreitung ihrer Werke mehr zu profitieren als von ihren Gewinnen als Urheber. Das belegen nun unterschiedliche empirische Studien in Großbritannien und Deutschland.

Netzwerkeffekte

So kommt etwa der Wirtschaftsforscher und Netzwerk-Ökonom Oz Shy in einem Beitrag für das Journal des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zum Schluss, dass "Theoretische wie empirische Studien der ökonomischen Forschung bestätigen, dass Verkäufer urheberrechtlich geschützten Materials durchaus davon profitieren können, wenn die Rechte am geistigen Eigentum verletzt werden. Eine Erklärung hierfür bieten die so genannten „Netzwerkeffekte“. Sie treten typischerweise auf, wenn die Nutzung eines Guts einen „externen“ Effekt auch für weitere Nutzer hat, so dass der Nutzen des einen Verbrauchers umso höher ist, je mehr weitere Verbraucher es gibt. Netzwerkeffekte bewirken, dass sich die Nachfrage nach legalen Kopien durch die Verbreitung der illegalen Kopien erhöht".

Spillover-Effekte

Auch in einem weiteren Ausatz der Wirtschaftswissenschafter Oz Shy und Amit Gayer geht es um Netzwerkeffekte. Je mehr Kopien eines Werkes im Umlauf sind, desto höher steigt der Bekanntheitsgrad und damit auch der Marktwert des Künstlers. Schließlich gibt es auch noch Spillover-Effekte. Je bekannter ein Künstler, desto höher sind die Verdienstmöglichkeiten bei Live-Auftritten, Engagements in der Werbung oder den Verkauf von Handy-Klingeltönen.

Gewinn

Demnach profitieren nur Musiker und Autoren mit einer hohen Gewinnbeteiligung an den verkauften Produkten von sehr strenger Copyright-Politik. Bei allen anderen sind die Gewinne durch zusätzliche Einnahmen bei zum Beispiel Live-Auftritten wichtiger als Einbußen durch weniger verkaufte CDs.

"Arme" Musiker

Hinzu kommt, dass einer neuen Untersuchung zu folge sehr viele Künstler alles andere als das große Geld machen und vor allem von Einkünften durch "andere musikalische Aktivitäten" wie Live-Auftritte leben.

Breites Publikum

Die Künstler selbst scheinen jedoch überhaupt kein allzu negatives Bild von Tauschbörsen und Downloads zu haben. In einer Umfrage des Pew Internet & American Life Projects gaben 43 Prozent der Befragten an, dass ihrer Meinung nach Tauschbörsen nicht wirklich nachteilig für Künstler seien, "da diese helfen würden, für die Arbeit der Künstler zu werben und sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen."(red)

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