Vom Staatsschützer zum Samariter

17. März 2005, 16:24
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Früherer General wirbt Terrorfahnder für Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs ab

Wien – Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (ASBÖ) überraschte am Montag mit einer kleinen Sensation: Neuer Bundesgeschäftsführer der Rettungsorganisation wird der bisherige Spitzenbeamte aus dem Innenministerium Reinhard Hundsmüller (48). Er war zuletzt Abteilungsleiter für Informationsgewinnung, Ermittlung und Analyse im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (ehemalige Staatspolizei).

Veränderung

Seinen Wechsel in die Privatwirtschaft – er ist als Beamter für vorerst fünf Jahre karenziert – begründete Hundsdorfer mit dem Wunsch nach beruflicher Veränderung. Er gilt als Spezialist für Restrukturierungen und Organisationsentwicklung. Es ist ein offenes Geheimnis im Innenministerium, dass er und Staatsschutzchef Gert Polli nicht immer derselben Meinung waren.

Herausforderung

"Die Berufung zum ASBÖ ist eine große Herausforderung", sagt Hundsmüller. Einerseits gewännen Hilfsorganisationen mehr und mehr an Bedeutung, andererseits würden Finanzmittel der Sozialversicherungsanstalten immer weniger. "Trotzdem muss es einen Ausbau von qualitativen sozialen Dienstleistungen geben."

Präsident Schnabl

Eingefädelt hat den ASBÖ- Coup dessen Präsident Franz Schnabl, der ehemalige Generalinspektor der uniformierten Polizei in Wien. Zur Erinnerung: Nachdem Schnabl beim damaligen Innenminister Ernst Strasser (VP) in Ungnade gefallen war, ließ er sich ebenfalls karrenzieren und wurde Sicherheitschef beim Magna-Konzern von Frank Stronach. Und weil Franz Schnabl wegen seiner SP-Nähe kein Nachteil mehr angedeihen konnte, übernahm er schließlich auch die ehrenamtliche Präsidentschaft des "roten" ASBÖ (im Gegensatz zum "schwarzen" Roten Kreuz). (simo, DER STANDARD Printausgabe, 16.03.2005)

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    Reinhard Hundsmüller: Früher Abteilungsleiter bei der Staatspolizei, jetzt Chef des Arbeiter-Samariter-Bundes

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