Michael Mann: "Heat"

14. März 2005, 22:13
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Mit Heat, einer mit Detailbesessenheit und Energie inszenierten Gangsterstory, wurde Mann einer der ganz großen Regisseure Hollywoods

Man kann dieses Bild am Ende nicht vergessen, wenn die Hände des sterbenden Gangsters Neil McCauley (Robert De Niro) und des Polizisten Vincent Hanna (Al Pacino), der ihn zur Strecke gebracht hat, einander berühren - ein Augenblick, Michelangelos Erschaffung Adams entliehen, der sacht auf den Punkt bringt, wie diese beiden Männer, ihr Leben, ihr Tun, ihr Begriff von Ehre einander bedingen, wie sie sich gegenseitig erst möglich machen. Sie selbst, ihre Frauen, ihre Freunde, ihr Job sind gleichzeitig Spiegelung des anderen, und es ist großartig, zu folgen, wie geschickt Michael Mann in seinem Drehbuch diese Spiegelungen ineinander verschachtelt hat, die manchmal ein Negativ des anderen ergeben.

Mit Heat wurde Mann einer der ganz großen Regisseure Hollywoods, er hat diese Gangsterstory mit Detailbesessenheit und Energie inszeniert, mit Gespür für Orte - die Lichter der Stadt, McCauleys Haus am Wasser, von wo er in die Weite starren kann . . . Es geht um einen großen Coup, den McCauley mit seiner Truppe plant, und Hanna kann nicht anders, als sein Leben daran zu setzen, seine Ehe zu gefährden, um ihn davon abzuhalten.

Michael Mann erzählt immer wieder vom Professionalismus, von Männern, die sich zu ihren Aufgaben und ihrer Rolle bekennen müssen, und Heat ist sozusagen sein Grundsatzessay dazu - und dazu, wie schön und gefährlich Los Angeles bei Nacht ist, ein dunkles Lichtermeer, in dem Millionen Menschen einsam sind. "Du darfst dich niemals an etwas hängen", sagt McCauley, "was du nicht in 30 Sekunden loslassen kannst, wenn der Boden zu heiß ist". Am Ende erzählt auch Heat eine Geschichte von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, mit den Mitteln eines harten Thrillers.

Mann hat ein Titanentreffen der Schauspieler inszeniert, De Niro und Pacino, aber sie begegnen einander nur zweieinhalbmal. Das erste Mal zählt nur zur Hälfte, Hanna beobachtet McCauley auf einem Videobildschirm, und es ist, als würden sie einander in die Augen sehen - diese Gleichzeitigkeit von Distanz und Nähe wohnt auch den Treffen in Fleisch und Blut inne, kalte Professionalität beherrscht die Szene, und doch sind sie für den jeweils anderen eine verwandte Seele.

Zwei, die nicht zusammenkommen können, weil das Leben sie trennt und der Tod sie verbindet. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.03.2005)

Von
Susan Vahabzadeh
  • Profis bei der Arbeit: Robert De Niro und Val Kilmer in Michael Manns Gangster-Thriller "Heat".
    foto: süddeutsche cinemathek

    Profis bei der Arbeit: Robert De Niro und Val Kilmer in Michael Manns Gangster-Thriller "Heat".

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