Tschechiens Präsident verweigert Ernennung von "zu jungen" Richtern

11. März 2005, 11:20
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"Diskriminierung", tobt Standesvertretung und befürchtet ernste Folgen für das Justizwesen

Prag - Der tschechische Präsident Vaclav Klaus hat 32 angeblich "zu jungen" Richter-Anwärtern die Ernennung verweigert und damit einen Sturm der Entrüstung in Justizkreisen ausgelöst. Nur wer älter als 30 Jahre sei, verfüge über die nötige Lebenserfahrung für ein solch verantwortungsvolles Amt, begründete das Staatsoberhaupt seine Ablehnung. "Diese Selektion grenzt an Diskriminierung", tobte der Vorsitzende der tschechischen Richtervereinigung, Jaromir Jirsa, am Donnerstag.

Dem Präsidenten sei offenbar nicht bewusst, dass sich nun viele junge Anwärter umorientieren würden, sagte Jirsa: "Wir wollen modern denkende Richter, aber manche verlieren wir jetzt. Das wird ernste Folgen für das tschechische Justizwesen haben." Ein Sprecher des Justizministeriums in Prag sagte, man erwarte von jüngeren Richtern nicht nur eine Entlastung der Justiz: "Viele haben einen frischeren Blick als ihre möglicherweise politisch belasteten Kollegen aus der kommunistischen Ära." Der Schritt von Klaus sei "sehr bedauerlich". (APA/dpa)

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