"Thema": Wahnsinn am Volant

11. Mai 2005, 22:31
10 Postings

"Thema" zeigte wie der "ganz normale Wahnsinn" auf Österreichs Straßen zu finden ist: hinter dem Lenkrad

Die Idee war nicht schlecht: Angesichts von Massenkarambolagen und über 100 Todesopfern auf Österreichs Straßen allein in den ersten beiden Monaten des heurigen Jahres, setzte die ORF-Montagssendung "Thema" ein Team ins Führerhaus eines Lkw. Denn: Wer sollte besser über den "ganz normalen Wahnsinn" auf den heimischen Straßen Bescheid wissen und berichten können als ein Berufsfahrer? So weit, so gut.

Doch wären die Verantwortlichen gut beraten gewesen, sich vorab ein bisschen über die Ansichten des Herrn zu informieren, den man da am Volant seines 40-Tonners zu Wort kommen ließ.

Nach anfänglichen Kommentaren zu Dingen wie Übermüdung am Lenkrad, von anderen Autofahrern geschnitten zu werden und dergleichen, tauchte vor dem "Thema"-Fahrer ein Lkw auf, der sich nur langsam über eine Steigung hinauf quälte. Sofort wurde dieser als "Türke" erkannt.

Es folgten Kommentare, die großteils als schlicht fremdenfeindlich einzustufen waren. Enden wollend ließ sich der Fahrer über Kollegen aus, die er "in seinem eigenen Land" nicht überholen dürfe, die ihm Zeit und also Geld kosten würden.

Klar, dass auch solche Typen einen Führerschein haben. Dass "Thema" in seiner zehnjährigen Jubiläumssendung statt auf den Punkt gebrachter Berichterstattung plumper Xenophobie eine Plattform bietet, ist gelinde gesagt bedauerlich. Immerhin zeigte man auf diese Art, wo der "ganz normale Wahnsinn" auf Österreichs Straßen zu finden ist: Er sitzt hinter dem Lenkrad. (flu/DER STANARD, Printausgabe, 9.3.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.