Peter Zoller erhält Max-Planck-Medaille

4. März 2005, 20:02
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Innsbrucker Physiker wird für Arbeiten zur Wechselwirkung von Laserlicht und Atomen geehrt

Innsbruck - Für seine Beiträge auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quanteninformation wird der Innsbrucker Physiker Univ.-Prof. Peter Zoller am 6. März in Berlin mit der Max-Planck-Medaille ausgezeichnet. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder überreicht diese Auszeichnung für Theoretische Physik bei der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Geehrt wird Zoller für seine Arbeiten zur Wechselwirkung von Laserlicht und Atomen. "Der Erfolg bestand darin, das Wissen aus verschiedenen Feldern zu verknüpfen", erklärte Zoller am Freitag in einer Pressemitteilung. "Atomphysik und Quantenoptik machten auf experimenteller Ebene große Fortschritte. Unsere Beiträge waren nicht nur grundsätzliche Entwicklungen in der Quantenoptik, sondern insbesondere der Brückenschlag zur Quanteninformation und Festkörperphysik."

Der Weg zum Quantenrechner

Ein von Zoller und dem jetzigen Leiter der Theorieabteilung des Münchner Max-Planck-Instituts für Quantenoptik, Prof. Ignacio Cirac, vorgeschlagenes Modell eines Quantencomputers basiert auf der Wechselwirkung von Lasern mit kalten, in einer elektromagnetischen Falle gespeicherten Ionen. Dieses vor zehn Jahren publizierte Modell konnte in den vergangenen Jahren in den Grundzügen unter anderem auch in Innsbruck realisiert werden und ist einer der Erfolg versprechendsten Wege, einen skalierbaren Quantenrechner zu bauen.

"Wir denken immer Jahre voraus", betonte Zoller. Die große Herausforderung bestehe darin, wichtige Ziele in der Physik, die über das eigene enge Fachgebiet hinausgehen würden, zu identifizieren - wie zum Beispiel die Implementierung von Quantencomputern oder Quantenkommunikation - und entsprechende theoretische Ideen zu entwickeln, die sich mit existierenden oder in naher Zukunft erreichbaren Technologien im Labor umsetzen lassen würden.

Quantenoptik und Festkörperphysik

Ein zweites Gebiet, in dem Zoller ein Brückenschlag gelang, war die Verbindung von Quantenoptik und Festkörperphysik. Ein Beispiel sind "stark korrelierte Systeme", wie etwa Hochtemperatur-Supraleiter. Deren physikalische Mechanismen sind unbekannt - nicht zuletzt, weil die Theoretiker die entsprechenden Modelle nur unvollständig lösen können, da selbst Hochleistungscomputer an dieser Aufgabe scheitern. Zoller hatte den Vorschlag gemacht, für diese Phänomene einen Quantensimulator mit kalten Atomen aus Bose-Einstein-Kondensaten zu bauen, sozusagen einen hochspezialisierten Quantencomputer - ein Vorschlag, der zum Teil schon in der Praxis erfolgreich umgesetzt wurde.

Zoller ist Professor an der Universität Innsbruck und leitet als wissenschaftlicher Direktor eine Arbeitsgruppe am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Er wurde 1952 in Innsbruck geboren, studierte Physik, promovierte 1977 und habilitierte sich 1980. Zolle wirkte als Gastprofessor an zahlreichen internationalen Universitäten und erhielt Rufe unter anderem an die Universität Ulm, die University of Colorado in Boulder und die Harvard University. Er war für mehrere Jahre Professor am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) in Boulder, bevor er 1994 den Ruf an die Universität Innsbruck annahm. (APA)

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    foto: uni innsbruck
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