Kartenspieler und Diamanten

7. März 2005, 20:06
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Event der Superlative im Kunst- und Antiquitätenhandel: The European Fine Art Fair in Maastricht

The European Fine Art Fair (Tefaf): In Maastricht versammeln sich vom 4. bis 13. März 200 führende Kunst- und Antiquitätenhändler aus 14 Ländern. Die Veranstalter erwarten mehr als 75.000 Besucher.


Maastricht - Sie ist schon traditionell ein Event der Superlative. Bei keiner anderen Messe-Vernissage verzeichnet man weltweit mehr Umsätze als in Maastricht. Zu den Besonderheiten der 2005er Tefaf gehört ein Kapitel der Kunstgeschichte, das die Besucher in das norditalienische Cremona führt, das wichtigste Zentrum des Geigenbaus schlechthin.

Das Bild des Handwerks wurde dort mehr als 150 Jahre allein von der Familie Amati bestimmt, beginnend mit Andrea, und gefolgt von seinen Söhnen Antonio und Girolamo. Auch wenn sich Historiker ob des Geburtsjahres von Andrea (1505 oder 1515) nicht einig sind, das 500-jährige Amati-Jubiläum wird jedenfalls heuer gefeiert.

Dementsprechend widmet man mit einer großen, in Beziehung zur Musik stehenden Auswahl an Objekten dieser Form der darstellenden Kunst eine Jahrhundertfeier. Das älteste Exponat ist eine von der Galerie Rhéa (Zürich) präsentierte Vase aus dem 6. Jhdt v. Chr. Das aus Athen stammende Gefäß in Krater-Form war für das Mischen von Wein und Wasser bestimmt. Es zeigt Musikanten bei einem Bankett mit Lyra - einer benutzt das Plektrum (Plättchen), um die Seiten zu zupfen.

Zu den "jüngeren" Kunstwerken zählt das von Pieter de Boer (Amsterdam) gezeigte Bild von Judith Leyster (1609-1660) mit zwei Geigenspielern an einem Tisch, mit Gegenständen, die auf den Klang der Instrumente und das Leben selbst anspielen. In dem etwas mehr als drei Kilogramm (!) schweren Katalog stößt man auf einige bekannte Kunstwerke: Der aus der Zeit vom ersten vorchristlichen bis zum ersten Nachchristlichen Jahrhundert stammende Kopf des Merkur von Axel Vervoordt (Belgien) zierte das Cover des Palm Beach!-Messekataloges und wechselte ebenda Anfang Februar bereits den Besitzer. Das gleiche "Schicksal" ereilte - für einen Preis von mehr als 500.000 Dollar - die von Royal-Athena Galleries (London) in Florida angebotene römische Bronze-Statue eines auf einem Delfin reitenden Eros. In der Kategorie bildende Kunst fallen bei Agnew's (London) Honoré Daumiers Kartenspieler auf.

Das 1859-1862 entstandene Gemälde stammt aus der Whitney-Collection und war im Mai 2004 bei Sotheby's New York für 700.000 bis 900.000 Dollar vergeblich angeboten worden. Zu den Neuausstellern der diesjährigen Tefaf gehören (nach dreijähriger Abwesenheit) Acquavella (New York), Bulgari (Rom) verstärkt das Juwelen-Offert oder Rupert Wace (London, Kategorie Antike). Letzterer hält etwa die aus der berühmten Hamilton-Sammlung stammende Statue des jungen Paris bereit (650.000 €).

Zur Gattung "alte Hasen" darf man die beiden einzigen Teilnehmer aus Österreich zählen: Roman Herzig mit der Galerie St. Lucas (Wien) und hochkarätigem Altmeister-Angebot sowie Thomas Salis (Salzburg) mit Highlights der Klassischen Moderne.

Und einiges Stöbern im Angebot der Kunsthändler, fördert dann auch Objekte mit Österreich-Bezug zutage: S. J. Phillips (London) präsentiert ein 62 Diamanten (180 cts) schweres Collier, das Kaiserin Maria Theresia ihrer Tochter Marie Christine, Herzogin von Sachsen-Teschen schenkte. In der Abteilung Kurioses bietet Kunstkammer Georg Lauen (München) den Wachskopf eines Indianerhäuptlings. Das mit Echthaar ausgestattete Exemplar - Kostenpunkt mehr als 15.000 Euro - zierte das 1872 von Hermann Präuscher gegründete Panoptikum, bis zum Zweiten Weltkrieg eine der volksbildnerischen Einrichtungen in der Chronik des Wiener Praters.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Evaristo Baschenis (1617-1677) zum Schwerpunktthema Musik passendes "Stillleben mit Spinett und anderen Instrumenten" (Ausschnitt)
    foto: tefaf

    Evaristo Baschenis (1617-1677) zum Schwerpunktthema Musik passendes "Stillleben mit Spinett und anderen Instrumenten" (Ausschnitt)

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