"Küss mich, Prinzessin": Wenn Gangster um die Ecke stolpern

26. März 2005, 22:01
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Romantic Comedy, Kriminalfilmfarce, Sozialsatire, überzeichnet: Michael Grimms "Küss mich, Prinzessin"

Wien - "Ich bin der wunderbare Teil vom großen Ganzen", wiederholt Horst (Gregor Seberg) immer wieder. Er spricht es wie eine Beschwörungsformel aus, eher um sich selbst als um andere zu überzeugen. Horst, ein Ex-Boxer, der sich gerade als Putzkraft in einem Fitnesscenter verdingt, will nämlich anständig werden. Sein Umfeld lässt ihn aber nicht gleich los. Er muss noch einen letzten Auftrag erfüllen.

An einer Straßenecke stößt Horst mit Susi (Hilde Dalik) zusammen. Die junge Frau hat ganz andere Probleme. Sie ist mit einem Langweiler verheiratet, hat eine quengelige kleine Tochter und zu wenig Geld. Ihr großes Vorbild ist Lady Di, ein Traumbild, das all das symbolisiert, was ihr abgeht. An erster Stelle ist das natürlich ein Prinz, der sie entführt. Horst ist zwar kein Prinz, dafür aber ein Gangster. Was für den Anfang einmal genügt.

Michael Grimms Romantic Comedy Küss mich, Prinzessin führt zwei bewährte Topoi des heimischen Kinos zusammen: das kleinbürgerliche Eigenheim und die Gassen der Vorstadtstrizzis. Beide laden zur Flucht ein. Beide findet man am Rande von Wien. Nahe kommen sie sich dennoch selten. Grimm sucht den komischen Mehrwert im Kontrast, er verhandelt eine Paarbildung, in der die sozialen Unterschiede kein großes Hindernis darstellen, sondern kleine Stolpersteine auf dem Weg ins Freie sind.

Küss mich, Prinzessin könnte eine Art komische Alternative zum pessimistischen Sozialbautendrama sein. Die Figuren wirken hier jedoch von Beginn an derart überzeichnet, dass es schwer fällt, sich für ihre Defekte zu interessieren. Anstatt kleine Eigenheiten hervorzuheben, werden Marotten über jedes Maß strapaziert. Erst herrscht ein Zustand permanenter Hysterie, dann soll die Reibung zwischen den beiden Hauptfiguren in Screwball-Comedy-Manier die Komik generieren.

Dafür fehlt jedoch der Sinn fürs Timing. Ob Küss mich, Prinzessin lieber eine Kriminalfilmfarce oder eine Sozialsatire wäre, bleibt so auch unentschieden. Sicher ist nur, dass Grimm für beide Varianten schlicht zu lieblos inszeniert. Die Schauspieler wirken allein gelassen, und formale Standards scheinen - wohl auch aus budgetärer Not - grob vernachlässigt worden zu sein.
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Von
Dominik Kamalzadeh

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kuessmich
prinzessin.at
  • Artikelbild
    foto: buena vista
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