Evaluierungsstudie lobt eigene Museumsreform

28. Februar 2005, 19:21
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Gehrer gibt den Häusern aber "Hausaufgaben" auf - Weitere Studie soll finanziellen Bedarf klären - Opposition: "Enttäuschend" und "Mummenschanz"

Wien - Die österreichischen Bundesmuseen haben sich nach der Entlassung in die Vollrechtsfähigkeit "sehr positiv entwickelt", aber es gibt für jedes Haus "Hausaufgaben, die in Zukunft zu machen sind". Dies ist für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) das Ergebnis der Evaluierungsstudie der Bundesmuseen, die heute, Montag, präsentiert wurde. Als "enttäuschend" (SPÖ) und "Mummenschanz" (Grüne) bezeichnete die Opposition die Studie.

Pädagogisch sanfte verbale Beurteilung

Die verbale Beurteilung der unter Gehrers Ägide stehenden Bundesmuseen gestaltet sich pädagogisch sanft: Die einzelnen Häuser werden durchgängig hoch gelobt und zusätzlich auf einige Kritikpunkte hingewiesen. Die Forschungsleistungen werden zwar in der Studie, deren Langfassung unter Verschluss bleiben wird und von der eine 48-seitige Zusammenfassung an die Medien verteilt wurde, "einhellig gewürdigt, können aber noch verbessert werden" (Gehrer). So werden etwa in der Albertina die "nicht unmittelbar ausstellungsbezogenen wissenschaftlichen Aktivitäten sichtbar vernachlässigt", heißt es in der Zusammenfassung.

Opposition: Kein Gesamtkonzept erkennbar - "lobhudelnder Überbau"

Ein Gesamtkonzept für die österreichische Museumslandschaft ist nach wie vor nicht erkennbar", so SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen in einer Aussendung. "Die Evaluierung geht an den Kernfragen völlig vorbei". Auch der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl meint: "Die gesamte Studie ist eine Lachnummer."

Grüne: "Werbebroschüre" um 100.000 Euro - Defizite längst bekannt

Die in der "Werbebroschüre" (so Zinggl zur Studie) angeführten Defizite kennen "wir auch ohne 100.000 Euro-Studie längst", so Zinggl. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) habe "über ihre unprofessionelle Ausgliederung ein parfumdurchtränktes Tuch geworfen. Ob es den Duft lange halten wird können, werden wir bald riechen", so Zinggl. "Wie eine Antwort des stalinistischen Radio Eriwan auf die Frage, was könnten wir aus den Fehlern der Museumspolitik in der Vergangenheit lernen, kommt der Reflex des Ministeriums 'Die Museumsdirektoren haben uns keine Fehler gemeldet, also kann es keine geben'". Man müsse den "lobhudelnden Überbau" beiseite lassen, um in der "Jubelschrift" dann doch Kritik zu erkennen.

SPÖ: An "brennenden Fragen" wurde "elegant vorbei untersucht"

Muttonen meinte, an "brennenden Fragen" - etwa Überschneidungen zwischen den einzelnen Museen - sei "elegant vorbei untersucht worden". Die Evaluierung, von der eine Gesamtstudie zur Museumslandschaft in Österreich zu erwarten gewesen wäre, sei "eine Befundung der einzelnen Häuser nach sehr subjektiven Kriterien ohne vernetzende Gesamtschau". Nicht untersucht worden sei, "wie die einzelnen Häuser zusammenspielen, wo Abgrenzungen und Konkurrenzen bestehen und wie damit künftig umzugehen ist."

Budgettopf für "anfallende Eventualitäten"

Die Albertina, in der das Sponsoring "eine im europäischen Maßstab überragende Bedeutung" hat, ist eines jener Häuser, für die die Studie eine Erhöhung der Basisdotierung vorschlägt. Weiters wird ein Budgettopf für "anfallende Eventualitäten" (Gehrer), also Schließungen wegen Renovierung o. ä., angeregt. Einer etwaigen Mittel-Erhöhung für die Bundesmuseen wird jedenfalls noch eine weitere Studie vorangehen: Das Bildungsministerium plant die Erstellung einer betriebswirtschaftlichen Untersuchung, die die wirtschaftliche Entwicklung und die Finanzierungsnotwendigkeiten der einzelnen Bundesmuseen aufzeigen soll.

Viel Lob für das "exzeptionell" hohe Prestige des KHM

Viel Lob bekommt das Kunsthistorische Museum (KHM), dessen Prestige "exzeptionell hoch" sei, wenn auch das Marketingkonzept 2004 "mit professioneller Hilfe weiterzuentwickeln" sei. Das Museum Angewandter Kunst "zählt zu den fortschrittlichsten und avantgardistischsten österreichischen Museen mit internationaler Bedeutung", jedoch sei sein Ankaufsplan "von Zufälligkeit gezeichnet". Die Österreichische Galerie Belvedere soll die "fehlende Klarheit der künstlerischen Ziele für die Zukunft" beseitigen, dem Naturhistorischen Museum wird ins Stammbuch geschrieben, dass es "die Möglichkeiten, die die Vollrechtsfähigkeit für die Bundesmuseen bietet, noch nicht in ausreichendem Maße genutzt" habe. Das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig schöpfe das "hohe Potenzial der Sammlung moderner Kunst" nicht aus, das Technische Museum sei wegen seiner langen Renovierung in einer schwierigen Situation, aber "auf dem richtigen Weg".

Empfehlungen: zeitgemäße Präsentation, verbesserte interne Kommunikation,...

Allgemeine Empfehlungen der Evaluierungsstudie beinhalten eine möglichst zeitgemäße Präsentation der eigenen Sammlungen, verbesserte Kommunikation im Haus und untereinander (dazu soll es regelmäßige Direktorengespräche geben) und die Erstellung von mehrjährigen Forschungs- und Restaurierungsplänen. Auch die Gesamtfrage der Versicherung von Kunstwerken sei zu überprüfen. Die bauliche Modernisierung und die weitere Erschließung der baulichen Möglichkeiten sollen fortgeführt werden. Betonung werde auf Zusammenarbeit der Häuser gelegt, etwa in der Schaffung eines gemeinsamen Bibliotheksverbundes für thematisch verwandte Bundesmuseen. Der vielfach kritisierte Trend zur Blockbuster-Schau scheint von der Studie bestätigt zu werden: Als häufigster Anlass für den Museumsbesuch gelten bei einer Umfrage mit 58 Prozent Sonderausstellungen, nur 18 Prozent motiviert ein "Museum an sich".

Kosten der Studie: 100.000 Euro

Überprüft worden seien die Profile der Museen, deren Bedeutung und Bekanntheitsgrad, die Umsetzung des Bildungsauftrages, die wissenschaftliche Forschungsarbeit und die inhaltliche Positionierung der Museen, schilderte Studien-Leiter Bernhard Graf. Das Verfahren sah eine Bevölkerungsumfrage, eine Befragung von Besuchern in Albertina, dem Kunsthistorischen Museum und dem Technischen Museum und die Bewertung der einzelnen Häuser durch Experten vor. Die Kosten haben rund 100.000 Euro betragen. (APA)

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