Teheran würde US-Hilfe annehmen

28. Februar 2005, 20:22
posten

Atombeauftragter traf deutschen Außenminister Joschka Fischer

Berlin- Der Iran hat gegen eine von US-Präsident George W. Bush ins Spiel gebrachte Unterstützung Washingtons bei den laufenden Verhandlungen über sein Atomprogramm nichts einzuwenden. Teheran "würde es begrüßen, wenn die USA helfen würden", sagte der iranische Atombeauftragte Hassan Rohani am Freitag nach einem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Joschka Fischer in Berlin.

Verhandlungspartner sei jedoch das EU-Trio aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Fischer bezeichnete die jeweiligen Positionen als "komplex und schwer zu überbrücken". Die Hauptfrage sei, wie es "objektive Garantien" für eine ausschließlich friedliche Nutzung der Atomenergie geben könne.

US-Präsident Bush hatte am Donnerstag in Preßburg die Hoffnung auf eine "diplomatische Lösung" im Atomstreit mit dem Iran geäußert. Als "effektivste" Variante bezeichnete er es, wenn eine diplomatische Initiative "nicht nur die EU und die NATO, sondern auch die USA repräsentieren würde". Nach den Worten von US-Sicherheitsberater Stephen Hadley erwägt Washington, wie es dem Iran helfen kann. "Das ist nicht nur eine Frage von Zuckerbrot und Peitsche." Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums lehnte eine Beteiligung der USA an den Verhandlungen rundweg ab und begründete dies damit, dass diese dann wahrscheinlich schlechter laufen würden.

Auch Jordaniens König Abdallah betonte die Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens der USA und der Europäer: "Man muss es als Mannschaft machen", um Erfolg zu haben, sagte er nach einem Treffen mit Schröder in Berlin. Der Kanzler bekräftigte das Ziel, die iranische Führung solle überzeugt werden, auf Atomwaffen zu verzichten. "Und wir setzen beide darauf, dieses Ziel, an dem wir strikt festhalten, über den Verhandlungsweg zu erreichen."

Deutschland, Frankreich und Großbritannien versuchen im Auftrag der Europäischen Union seit Monaten, Teheran zum vollständigen und dauerhaften Verzicht auf die Urananreicherung zu bewegen. Das EU-Trio will dies vor allem mit wirtschaftlichen Anreizen erreichen. Der französische Präsident Chirac, mit dem Rohani am Donnerstag in Paris zusammengetroffen war, nannte zuletzt etwa Hilfe bei der Kandidatur Teherans für die Welthandelsorganisation (WTO) oder eine Lieferung ziviler Flugzeugmotoren als Möglichkeiten. Rohani sagte am Freitag in Berlin, in den drei Arbeitsgruppen gehe es bei den Verhandlungen teils gut, teils langsamer voran. Er äußerte sich zuversichtlich, dass es im März "positive Ergebisse" geben werde.

Der Iran hat eingewilligt, die Urananreicherung auszusetzen, jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass dies nur vorübergehend sei. Die US-Regierung beschuldigt Teheran, mit dem angereicherten Uran Atomwaffen entwickeln zu wollen, und schließt ein militärisches Vorgehen gegen den Iran nicht aus. Angereichertes Uran kann sowohl zivil als auch zum Bau einer Atombombe genutzt werden. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. (APA/Reuters)

Share if you care.