St. Pölten: Arbeitslager für ungarische Juden nachgewiesen

27. Februar 2005, 10:30
7 Postings

Überlebende erzählte Historikerin vom Nazi-Terror - Zeitzeugen gesucht

St. Pölten - Die Existenz eines Arbeitslagers für ungarische Juden in der Viehofener Au in St. Pölten hat nun eine Historikerin des "Institutes für Geschichte der Juden in Österreich" nachgewiesen. Bei ihren Forschungen im "Zentralarchiv der Geschichte des Jüdischen Volkes" in Israel ist Eleonore Lappin auf diesbezügliche Dokumente gestoßen. Demnach sollen ab 2. Juli 1944 insgesamt 126 ungarische Juden in diesem Lager untergebracht worden sein.

Nazi-Terror

"Ich war mit meinen Eltern gemeinsam in Viehofen. Zusammengepfercht in einer Holzbaracke, in der Mitte eines Waldes. Von dort gingen wir auf zwei Holzbrettern ohne Geländer über den Fluß Traisen. Dann verluden wir Schienen, hackten mit Pickeln und verlegten Rasenziegel. Die vielen traurigen Erinnerungen sind in mir lebendig", berichtete Rozsi Wolf, eine Überlebende des Nazi-Terrors.

Den unmenschlichen Strapazen der Sklavenarbeit unter ständiger Todesdrohung waren vor allem die alten Menschen nicht gewachsen. Im Archiv der städtischen Friedhofsverwaltung St. Pölten fanden sich kürzlich die Totenscheine von sechs Lagerinsassen, die im Zeitraum zwischen 22. September 1944 und 5. März 1945 in der Viehofener Au zu Grunde gegangen waren. Diese Personen, deren Namen bisher niemand kannte, hießen Filipp Hegyi (Jahrgang 1864), Dr. Ignaz Körösi (Jahrgang 1862), Izso Pottasmann (Jahrgang 1879), Jakob Genad (Jahrgang 1870), Edmund Reves (Jahrgang 1880) und Paul Vadasz (Jahrgang 1874).

Zeitzeugen gesucht

Da dies jedoch die einzigen Fakten sind, die vom Arbeitslager in der Viehofener Au heute bekannt sind, werden Zeitzeugen gesucht. Sie können sich unter der Telefonnummer 02742/333-2813 an das St. Pöltner Rathaus (Mag. Manfred Wieninger) wenden. Geklärt werden muss zudem auch noch der genaue Standort des Arbeitslagers. (APA)

Share if you care.