Haftstrafen im Misshandlungs-Prozess gegen britische Soldaten

28. Februar 2005, 20:23
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Verurteilte müssen für bis zu zwei Jahre ins Gefängnis

Osnabrück - Zu Haftstrafen zwischen fünf Monaten und zwei Jahren hat ein Militärgericht in Osnabrück in Deutschland drei britische Soldaten wegen der Misshandlung irakischer Zivilisten verurteilt. Die Betroffenen sollen außerdem unehrenhaft aus der Armee entlassen werden. Schon am Mittwoch waren zwei Angeklagte der Misshandlung gefangener irakischer Zivilisten schuldig gesprochen worden. Dem dritten Angeklagten wurden Beihilfe und Vertuschen der Vorfälle als Vorgesetzter zur Last gelegt.

Die höchste Strafe von zwei Jahren verhängte das Gericht gegen einen 25-jährigen Gefreiten, der einen mit einem Netz gefesselten Iraker misshandelt hatte, indem er ihn auf der Gabel eines Gabelstapler transportiert hatte. Ein 34-jähriger Obergefreiter wurde zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt, neben Beihilfe wurde er auch dafür bestraft, dass er als Vorgesetzter eine weitere körperliche Misshandlung und eine sexuelle Demütigung, bei der zwei Iraker Oralsex simulieren mussten, nicht gemeldet hatte. Ein zu fünf Monaten verurteilter 30-jähriger Gefreiter hatte sich mit beiden Füßen auf einen am Boden liegenden gefesselten Gefangenen gestellt.

Alle Vorfälle hatten sich im Mai 2003 in einem von der britischen Armee bewachten Depot für Hilfsgüter ereignet, in das immer wieder Plünderer eingebrochen waren. Die misshandelten Zivilisten waren im Rahmen einer Strafaktion als mutmaßliche Plünderer festgenommen worden.

Wichtigstes Beweismittel in dem Prozess, der am 18. Jänner begonnen hatte, waren Fotos von den Misshandlungen, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit Aufnahmen aus dem US-Militärgefängnis Abu Ghraib international für Aufsehen sorgten. Als Hauptbelastungszeuge trat ein 20-Jähriger Soldat auf, der alle Fotos gemacht hatte und in einem ersten Prozess in Celle zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. (APA/AP)

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