"Besuch bei einem Freund"

22. Februar 2005, 18:08
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Bush und Schröder wollen einen Neuanfang ihrer Beziehungen

Wenn George Bush am Mittwoch in Mainz mit dem deutschen Kanzler Gerhard Schröder zusammentrifft, dann werde dies der "Besuch bei einem Freund" sein. Solch freundliche Worte fand US-Außenministerin Condoleezza Rice, als sie vor zwei Wochen im Rahmen ihrer Europa-Reise auch in Berlin Station machte.

Das war eindeutig Balsam für die Berliner Seele. Denn die deutsche Seite wertet den Bush-Besuch als Startschuss für ein neues, besseres Verhältnis zwischen Deutschland und den USA. Die Spannungen wegen des Irakkriegs sollen diesmal endgültig überwunden werden.

Vor zweieinhalb Jahren hingegen war das deutsch-amerikanische Verhältnis auf dem Tiefpunkt. Die rot-grüne Regierung lehnte den Irakkrieg strikt ab. Als Schröder im Wahlkampf 2002 erklärte, Deutschland werde sich "an keinen Abenteuern" beteiligen und dann auch noch die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) mit einem angeblichen Vergleich der Irak-Politik Bushs mit Hitler-Methoden für Aufregung sorgte, war Washington schwer verstimmt. Rice zürnte über den Atlantik, die Beziehungen zu Deutschland seien "vergiftet".

Blick nach vorne

Erst nach dem Ende des Irakkrieges setzte wirkliches Tauwetter ein. Sowohl Schröder als auch Bush betonten mehrmals, man müsse jetzt nach vorne schauen. Zwar verweigert die rot-grüne Regierung nach wie vor jedes militärische Engagement im Irak. Dennoch sind die Deutschen im Anti-Terror-Kampf nicht untätig, schließlich ist auch Schröder an einer Stabilisierung der Krisenregion interessiert. In Afghanistan stellt Deutschland mit 2200 Soldaten nach den USA das größte Truppenkontingent. Als Rice vor zwei Wochen in Berlin war, hat Schröder mehr Engagement bei der Ausbildung irakischer Soldaten und Polizisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten zugesagt. Berlin ist auch bereit, beim Aufbau von Ministerien im Irak zu helfen - was Bush mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben dürfte.

Wahrscheinlich wird Schröder mit Bush auch über seinen umstrittenen Vorschlag zur Nato-Reform sprechen. Der deutsche Kanzler hat am vergangenen Wochenende bei der Münchner Sicherheitskonferenz angeregt, ein Gremium aus ehemaligen Staatsmännern solle ein Konzept für das künftige transatlantische Verhältnis ausarbeiten - was bei US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld allerdings wenig Begeisterung ausgelöst hat. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.2.2005)

Von Birgit Baumann aus Berlin
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