Oberarm gebrochen, Polizist freigesprochen

21. Februar 2005, 13:29
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Opfer konnte keine klaren Angaben machen: "Psychischer Ausnahmezustand"

Wien – Schwere Körperverletzung oder falsche Anschuldigung? Richter Thomas Hahn sah beides erwiesen und sprach Freitag im Wiener Landesgericht einen Polizisten frei. Zu widersprüchlich waren die Beschuldigungen, die Suzanne E. (37) erhoben hatte.

Was bleibt, ist die Frage: woher stammt der Drehbruch ihres linken Oberarmes? Der Vorfall ereignete sich am Abend des 22. August 2003 im und vor dem Polizeiwachzimmer Wilhelminenstraße in Wien-Ottakring. Die Version von Suzanne E.: Da sie seit Tagen an Schlafstörungen gelitten, wollte sie mit dem Taxi ins psychiatrische Krankenhaus Baumgartner Höhe. Der Taxler sei ihr zu schnell gefahren, sie wollte aussteigen. Da habe sie bemerkt, dass sie zu wenig Geld mithatte. Der Taxifahrer sei daraufhin zur Polizei gefahren.

Dort sei sie vom Taxler ins Wachzimmer geschleift worden. Drinnen sei sie von zwei Beamten wie eine Verbrecherin behandelt worden, unter anderem sei ihr der Arm nach hinten gerissen worden – obwohl sich doch noch Geld für die Taxirechnung in ihrem Rucksack gefunden habe. Später sei die Rettung gerufen worden.

"Hand gelöst"

Die Version von Revierinspektor P.: Der Taxifahrer habe um Einschreitung ersucht, weil ein Fahrgast nicht zahlen wollte. Die Frau habe sich am Geländer beim Wachzimmereingang festgehalten, weshalb er ihr die Hand gelöst habe und sie schließlich ohne größeren Körpereinsatz ins Wachzimmer geleitet habe.

Die Frau habe einen verwirrten Eindruck gemacht. In ihrem Rucksack wurde Geld fürs Taxi gefunden. Später habe Suzanne E. über Schmerzen im Arm geklagt, die Rettung sei gerufen worden.

"Hexe"

Die Version des Taxilenkers: die Kundschaft habe mit sich selbst geredet, plötzlich habe sie aussteigen wollen, aber angegeben, kein Geld zu haben. Er sei zum Wachzimmer gefahren, habe angeläutet, inzwischen habe die Frau das Weite gesucht. Als er sie aufhalten wollte, habe sie gesagt, sie eine Hexe und werden ihn verfluchen.

Raufhandel

Revierinspektor P. habe die Frau schließlich am Rucksack gepackt, vor dem Wachzimmer sei es zu einem „Raufhandel“ zwischen der Frau und dem Polizisten gekommen, „nix Gröberes“. Drinnen sei ihm aufgefallen, dass Suzanne E. dann ihren Arm an den Körper gepresst habe. Er erhielt sein Geld und fuhr.

Vor Gericht konnte Suzanne E. den beschuldigten Beamten nicht eindeutig identifizieren, auch über die Anzahl der einschreitenden Beamten konnte sie keine klaren Angaben machen. Sie habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden.

Im Wilhelminenspital musste der gebrochene Oberarm operiert werden. „Eine derartige Verletzung ist sehr schmerzhaft und kann nur durch eine ruckartige Gewalteinwirkung bewirkt werden“, sagt der Gerichtsgutachter. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 19.02.2005)

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