Knauß-Anhörung dauerte 45 Minuten

28. Februar 2005, 09:47
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Steirer: "Es ist schwierig, eine Tendenz herauszulesen" - Entscheidung im Doping-Fall "in den nächsten Tagen oder Wochen"

Oberstdorf - Rascher als erwartet ist am Donnerstag Vormittag in Oberstdorf die Anhörung des Skirennläufers Hans Knauß zu seinem Dopingfall abgewickelt worden. Nach nur 45 Minuten war die Befragung des 33-jährigen Steirers durch den dreiköpfigen Anti-Doping-Ausschuss des Internationalen Skiverbandes (FIS) beendet. "Es ist schwierig, eine Tendenz herauszulesen", sagte Knauß, dem nach dem Nachweis von Nandrolon in einem Dopingtest vom 27. November 2004 eine zweijährige Sperre droht.

Christian Flick, der Anwalt von Knauß, bezeichnete den Fall als "sehr ernstes Verfahren mit ernsten Fragstellungen". Man habe dem Gremium unter Vorsitz des Slowenen Janez Kocijancic alles offen dargelegt, an der Aufklärung mitgewirkt und zusätzliche Dokumente präsentiert. "Der Senat wird beraten und seine Entscheidung in den nächsten Tagen oder Wochen schriftlich mitteilen", sagte der Rechtsanwalt. Weil weitere Beweisanträge vorliegen, sei sogar eine weitere Verhandlung nicht ausgeschlossen. Er selbst glaube aber nicht daran, meinte Flick.

Knauß gab an, vor dem Gremium auch den Namen des Nahrungsergänzungsmittels genannt zu haben, auf dessen mit einem anabolen Steroid verunreinigten Inhalt er sein positives Testergebnis zurückführt. In der Öffentlichkeit wolle er den Namen des Produkts aber nicht nennen, sagte der Steirer, der trotz des Arguments, andere Sportler könnten wie er unwissentlich in die Dopingfalle tappen, bei seinem Nein blieb. "Ich glaube, jetzt müssten alle vorsichtig genug sein und nichts mehr nehmen."

Mit dem Verlauf des Gesprächs war der Schladminger zufrieden. "Man hat gemerkt, dass das Gremium sehr gut vorbereitet war. Sie haben detailliert nachgefragt hat und darüber bin ich froh. Ich habe nichts zu verbergen", sagte Knauß. Er habe die Problematik aus der Sicht des Sportlers dargestellt. Im Jahr 2000 habe er begonnen, dieses Produkt zu nehmen und sich seither auch dessen Unbedenklichkeit versichern lassen. "Ich hatte seither zig Dopingkontrollen, daher hatte ich Vertrauen in dieses Mittel", sagte Knauß.

Nach dem FIS-Reglement droht ihm eine zweijährige Sperre, eine geringere Strafe ist nach Aussage von FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis bei Vorliegen von triftigen Gründen möglich. Für die FIS handelt es sich um einen Präzedenzfall, während in anderen Sportarten Dopingfälle durch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel zahlreich sind. Daher wird der Fall Knauß wohl besonders genau geprüft.

Fritz Wagnerberger, deutscher Verbandspräsident und FIS-Vorstandsmitglied, wollte als Angehöriger der Anti-Doping-Kommission (drittes Mitglied ist der Norweger Sverre Seeberg) am Donnerstag keine Stellungnahme abgeben. "Es gibt keine Erklärung, bevor das Verfahren abgeschlossen ist", sagte Wagnerberger. Flick hoffte auf einen positiven Ausgang: "Unser Ziel ist es, Hans so rasch wie möglich wieder auf die Skipiste zu bringen." (APA)

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    Strahlemann Hans Knauß: "Ich glaube, jetzt müssten alle vorsichtig genug sein und nichts mehr nehmen."

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